Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 100

Die letzte Avantgarde

Von Gerhard Mack

BASEL: SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE

Faszination nach 50 Jahren. In der Pariser Bar "Chez Moineau" versammelte sich 1950 eine Gruppe junger Rebellen und rief zur Revolte auf. "Ne travaillez jamais", ("Arbeitet nie!"), lautete ihre Parole, das Fest wurde ihr Modell. Die Kunst sollte nicht mehr der Revolution dienen, sondern die Revolution der Gesellschaft zur letzten Form der Kunst werden. Am 28. Juli 1957 wurde die Situationistische Internationale, kurz SI, ausgerufen, sie zählte bald 72 Mitglieder in vielen Sektionen. Guy Debord wurde ihr Wortführer, sein Hauptwerk "Die Gesellschaft des Spektakels" geißelte eine Kultur, die sich dem Markt hingibt. Damit wurde die SI zum Wegbereiter der Studentenbewegung von 1968, vier Jahre später war ihre Energie verpufft, und sie löste sich auf. Das Museum Tinguely in Basel lässt sie 50 Jahre später mit rund 400 Exponaten wieder aufleben und verführt in lockerem, aber präzisen Arrangement die Besucher dazu, in einer Zeit zu versinken, deren Impulse Künstler heute wieder faszinieren.

Termin: bis 5. August. Katalog: JRP Ringier Verlag, 44 Franken/29 Euro. Internet: www.tinguely.ch