Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 88

Keine Spuren einer Handschrift

Von Adrienne Braun

Die Staatliche Kunsthalle untersucht die Entwicklungen der Farbfeldmalerei BADEN-BADEN: WHO'S AFRAID OF RED, YELLOW AND BLUE?

Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?" nannte Barnett Newman sein legendäres Bild in Rot, Gelb und Blau. Das Bild machte offensichtlich wirklich Angst. 1982 wurde es Opfer eines Attentats: Ein junger Mann schlitzte es auf. Karola Grässlin hat den Bildtitel übernommen für ihre erste Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden- Baden. Das Bild selbst fehlt in der Schau, denn obwohl es in mehreren Varianten existiert, konnte Grässlin es nicht ausleihen. "Es steht auf der schwarzen Liste der unentleihbaren Bilder", sagt sie.

In der frisch sanierten Kunsthalle Baden-Baden stellt die neue Direktorin nun vor, wie sie das Haus künftig ausrichten will. Grässlins Interesse gilt vor allem der Farbfeldmalerei und der Minimal Art: "Damit möchte ich mich ein bisschen von unserem Nachbarn Frieder Burda abheben." Dieser stellt in seinem neuen Museum nebenan vor allem Malerei aus - "expressive, ausdrucksstarke Malerei, während wir eher minimalistische zeigen", sagt Grässlin. Rund 45 Werke sollen vorführen, wie Künstler versuchten, den Abstrakten Expressionismus zu überwinden. Barnett Newman etwa, der in seinem Bild "Now I" (1965) auf ein Stilprinzip von Kasimir Malewitsch zurückgriff: Er unterteilte eine weiße Leinwand durch ein schwarzes, lang gezogenes, senkrechtes Rechteck. Auch Ellsworth Kelly zeigt ein typisches Stilmittel:

Die monochromen Flächen von "Red Curve with White Panel" (1989) weisen auf. Gerhard Richters Gemälde "Grau" von 1970 und 1976 richten ebenfalls den Fokus allein auf die Farbe. "Sie wird zum Inhalt des Bildes", sagt Grässlin.

Sie kann die Farbfeldmalerei in ihrer Ausstellung zwar nicht vollständig umreißen, versucht aber zu zeigen, wie sie sich weiterentwickelt hat. So ist Günther Förg gleich mit mehreren Bleibildern vertreten - er hat auf große Bleiflächen geometrische Formen gemalt. Auch Dan Flavin ist in der Schau zu sehen, obwohl er kein Maler ist. "Aber er malt mit dem Licht im Raum, das ist eine Weiterführung der Farbfeldmalerei." Künftig will Grässlin auch jüngere Vertreter der Minimal Art und Konzeptkunst in der Kunsthalle zeigen. Diese trägt auch schon deutliche Spuren der neuen Chefin. Im Zuge der Sanierung hat der österreichische Künstler Heimo Zobernig ihr neues Büro entworfen. Und weil Grässlin für einen offenen Arbeitsstil plädiert, kommen die Besucher nun erst einmal am Schreibtisch der Chefin vorbei, die im Großraum mit ihren Mitarbeitern sitzt.

Termin: 21. Juli bis 30. September. Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König, 24 Euro, im Buchhandel 28 Euro. Internet: www.kunsthalle-baden-baden.de