Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 91
Der Witz: Man kommt nicht selber drauf
Von Sandra Danicke
Werkschau des norwegischen Malers, Bildhauers und Videokünstlers im Kunstverein FRANKFURT/MAIN: GARDAR EIDE EINARSSON
Meistens gibt es nur wenig zu sehen in den Ausstellungen von Gardar Eide Einarsson. Da stehen dann zum Beispiel fünf große schwarze Leinwände mit dem Titel "5 (words)" (2004) an der Wand, und man hat das diffuse Gefühl, es könnte um etwas Grausames gehen oder um eine schlichte Form der Farbfeldmalerei. Dass die fünf Leinwände für die Worte "I have nothing to say" ("Ich habe nichts zu sagen") stehen, ein Satz, den amerikanische Antiregierungsgruppen in Auseinandersetzungen mit der Polizei benutzen, muss man sich erst mal erklären lassen.
So ist es meistens bei Einarsson: Die Dinge sind nicht das, was sie scheinen.
"My Scene" etwa, ein Schriftzug, der aussieht wie ein Graffito, meint nicht etwa eine anonyme Sprayer-Gemeinschaft, sondern ist die exakte Kopie des Logos einer Barbie-Puppen-Serie. Dass man da nicht von selber drauf kommt, ist der Witz bei der Sache. Der norwegische Künstler beschäftigt sich mit Codes, die aus den unterschiedlichsten kulturellen und sozialen Zusammenhängen stammen und in jeder Gesellschaftsgruppe etwas anderes bedeuten können. In seinen Zeichnungen, Malereien, Videos oder Skulpturen verwendet Einarsson des halb so wohl Symbole diverser Subkulturen, wie zum Beispiel Gefängnistätowierungen. Den Erkennungszeichen von Gruppen, die sich gegen das Establishment stellen, hat er sogar eine ganze Bilderserie gewidmet, die "Outlaw Logos" (2004/05).
Er malt aber auch kommerzielle Signets oder Dialoge aus Comic-Heften.
"Südlich des Himmels" heißt nun die erste große Einzelausstellung des Künstlers, der 1976 in Oslo geboren wurde und in New York lebt. Der Film "South of Heaven" (2003), der der Ausstellung ihren Titel gab, handelt zum Beispiel von der Eröffnung einer neuen Ikea-Filiale in Norwegen. Von den anwesenden Wachleuten ungläubig beobachtet, stürmen die Kunden den Laden und verwandeln die angekündigte Kommerzfeier in ein selbst organisiertes Chaos, das an eine politische Demonstration denken lässt.
Termin: 27. Juli bis 16. September. Katalog: zirka 10 Euro. Internet: www.fkv.de
