Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 16
Wie gefällt Ihnen das Mini-Mammut?
Von
MATTHIAS WINZEN, CHEF DER 10. TRIENNALE KLEINPLASTIK IN FELLBACH (BIS 23. SEPTEMBER) ZUM ÄLTESTEN KUNSTWERK DER WELT
Das ist ein wunderschönes, kleines Ding, das in der Vogelherdhöhle im Lonetal gefunden wurde! Ich bin sehr beeindruckt, weil es offensichtlich vor 35 000 Jahren schon einen Drang nach Dingen gab, die nicht unmittelbar einer Funktion unterworfen waren. Das rührt mich.
Ist Kunst ein Grundbedürfnis des Menschen?
Ja, aber das wird immer wieder anders interpretiert. In der Altsteinzeit gab es noch keine Massenproduktion, sondern nur handgemachte Einzelstücke. Deswegen ist das kein Kunstwerk im eigentlichen Sinn.
Wie beurteilen Sie die handwerklichen Fähigkeiten?
Das ist schon eine sehr fein gearbeitete Skulptur, da ist Dynamik drin - und zweifellos eine Gestaltungsabsicht.
Passt sie auf die Triennale der Kleinplastik?
Das ist sehr hypothetisch! Joseph Beuys ist mit einer sehr kleinen Plastik auf der aktuellen Triennale vertreten, "Jungfrau" von 1954. In seiner Kunst verwies Beuys oft auf die Ur- und Frühgeschichte - den hätte dieser Fund sicher sehr beeindruckt. Auch zu Katharina Fritschs Arbeit passt er gut. Sie hat eine kleine Kitschfigur mannshoch vergrößert. Quasi eine Umkehrung des Mammuts.
Was macht den Fund so besonders?
Wir haben im Zeitalter der Massenreproduzierbarkeit kein Verhältnis mehr zum einzelnen und einzigartigen Ding.
Vielleicht weckt er dafür wieder Aufmerksamkeit.
