Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 12-13

Studio

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21200000000 Dollar wurden 2005 in New York City allein im Kulturbusiness erwirtschaftet. Erfasst sind Museen, Galerien, Auktionshäuser, Kunsttourismus, Theater, Filmproduktionsfirmen, Gärten Steven Holl gilt als Lichtvirtuose. Der New Yorker Architekt inszeniert die Erweiterung des Nelson-Atkins-Museums of Art in Kansas City als raffiniertes Spiel aus durchscheinenden Körpern.

Im Gegensatz zu dem 1933 errichteten, heroischen Prunkbau wirkt das neue "Bloch Building" geradezu unaufdringlich.

Was auch daran liegt, dass der größte Teil des Gebäudes unsichtbar bleibt - denn der 260 Meter lange, schlauchförmige Anbau liegt unter der Erde. Zu sehen sind nur fünf leuchtende Container, die wie Spitzen eines Eisbergs aus der Wiese ragen.

Mehr auf der Webseite des Architekten: www.stevenholl.com

Kunst fürs Mikroskop: Die koreanischen Forscher Dong-Yol Yang und Hong Jin Kong vom Advanced Institute of Science and Technology in Daejeon haben gemeinsam mit Wissenschaftlern der dortigen Hannam-Universität Auguste Rodins Skulptur "Der Denker" (1880) auf die doppelte Größe eines roten Blutkörperchens schrumpfen lassen. Der Nano-Denker, auf dem sogar Muskeln und Zehen zu erkennen sind, ist 93 000 Mal kleiner als das Original. Die Forscher wollten mit dem Replikat die Möglichkeiten ihrer neuartigen Lasertechnologie illustrieren, die die Entwicklung neuer Biosensoren und anderer mikroskopischer Apparate ermögliche, erklärte Yang.

Wände im Wandel: Der österreichische Künstler Otto Zitko, 48, sprengt seit Jahren den Bilderrahmen und dehnt seine Zeichnungen auf den gesamten Ausstellungsraum aus. "Seine grafischen Gesten berichten von Verzweiflung und Wut, seine Linien sind Nachrichten von körperlichen Reisen durch Gelenke, Sehnen, Muskeln und Nerven", schrieb der Kurator und Künstler Peter Weibel über ihn. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 8. September in der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck.

Keine schnöden Anstecknadeln, sondern preiswerte Minikunstwerke: Jede einzelne hat ein Künstler der Documenta 12 entworfen. Die Idee zu den Documenta-Buttons hatte der Berliner Verlag "passenger books". Man kann sie in Kassel kaufen oder im Netz unter www.passengerbooks.com (wo es auch Buttons von Nicht- Documenta-Künstlern gibt) - zum unschlagbaren Preis von 1,50 Euro pro Stück.

GEHT'S NOCH?!

Eine Nebenwirkung der Moderne wurde bislang zu wenig beachtet: die Entstehung des beknackten Kunstwerks. Dabei handelt es sich um eine Arbeit, die zwar mit großen Worten theoretisch konzeptuell begründet werden kann, aber am Ende nichts anderes ist, als gewöhnlicher Quatsch. Dem Künstler Gregor Kuschmirz ist ein besonders schillerndes Exemplar dieser Kunstgattung zu verdanken: Während einer Performance in einer Stuttgarter Galerie frittierte er 200 Videokassetten. Der medienkritische Aspekt: Das Frittieren jeder Kassette wurde auf einer anderen Kassette festgehalten, diese wanderte dann als nächste ins heiße Fett. Alle frittierten Kassetten wurden schließlich in einer Fotoserie verewigt - ein Mahnmal der Konzeptkunst!

GAGA: DER PRESSETEXT DES MONATS Zur Schau "Der bloße Mensch" in der Galerie Standort Höchst, Frankfurt/M.: "Der Mensch in seiner Blöße - Nacktheit einerseits, aber auch in seiner Verletzlichkeit, seiner Ängstlichkeit, seine Behinderung und damit sein Zurückgeworfensein auf die bloße Existenz, die sich auf dieser Welt behaupten will und sich gleichzeitig verloren fühlt oder von anderen als verloren betrachtet wird."

NEUE SERIE: DIE ART-HOME-STORY Zu Gast bei Marcel van Eeden Krimskrams, Nippes, Utensilien - im Laufe der Zeit sammelt sich so einiges an. art-Korrespondent Kito Nedo hat Berliner Künstler in ihren Ateliers besucht und nach ihren Lieblingssachen und Herzensdingen gefragt

Zigarren Als ich 13 Jahre alt war, habe ich angefangen, Zigaretten zu rauchen, mit 32 habe ich damit aufgehört. Wenn ich nachts arbeite, rauche ich trotzdem gern noch ein bisschen. Deshalb die Zigarren. Ich glaube das ist gesünder.

Außerdem hat es auch etwas altmodisches an sich, man sieht ja immer weniger Leute, die Zigarren rauchen. Meist sind es dann alte Leute. Zigarren passen also gut zu meinen Bildern. Irgendwie beruhigt es mich auch.

Das Kreuz Ich habe das Kreuz vor ein paar Jahren auf einem Flohmarkt gekauft.

Religionssymbole interessieren mich, in der Kirche war ich jedoch nie. Vielleicht hat es was mit meiner Arbeit zu tun, das Christliche ist ja auch auf den Tod gerichtet.

Ich finde es auch ein schönes Ding, auf der Rückseite ist eine Schraube, die Figur kann man also auch abnehmen. Ich glaube, dass es ursprünglich aus einer Kirche stammt, denn es ist sehr schwer. Ich denke nicht, dass Leute so etwas zu Hause hatten - außer vielleicht sehr wohlhabende Christen.

Koh-i-Noor/ Negro-Minen Koh-i-Noor ist persisch und heißt soviel wie "Berg des Lichts".

Eigentlich war das der Name eines der größten Diamanten der Welt. Ich glaube, der gehört heute zum Kronschatz des britischen Königshauses. Graphit ist die chemische Vorstufe von Diamanten - er müsste in der Erde nur länger und fester gepresst werden. Als Ende des 18. Jahrhunderts diese Bleistiftfirma gegründet wurde, dachten die Gründer, dass "Koh-i-Noor" ein guter Name wäre. In meinem Atelier in Den Haag habe ich übrigens ein hervorragendes Buch über die Geschichte des Bleistifts.

Jedenfalls ist die Firmengeschichte von Koh-i-Noor sehr interessant, da es eine sehr alte Firma ist, die zwei Fabriken hatte: die tschechische wurde nach dem Krieg von den Russen verstaatlicht, die österreichische produzierte auch weiter, allerdings qualitativ viel bessere Graphitstifte als die tschechische. Dreißig Jahre haben die sich um den Markenamen gestritten.

Mittlerweile haben sie sich wohl geeinigt.

Zwei Trio Palm Ich habe zwei Palms, einen mit einer deutschen und einer holländischen SIM-Karte, sonst wäre meine Telefonrechnung und die der Leute, die mich anrufen, zu hoch. Bislang habe ich noch kein Gerät gefunden, in das zwei SIM-Karten passen, aber die soll es wohl jetzt auch schon geben. Das Gute an den Dingern ist, dass man damit auch überall E-Mails lesen und senden kann, egal, wo man ist, ob in Amerika, Indien oder Japan. Ich war zwar noch nie in Japan, aber man weiß ja nie ...

KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES ( 4 )

Lebenshunger/-durst: i. A. körperliche Empfindungen, die den Menschen dazu veranlassen, das Grundbedürfnis nach Nahrung bzw. Flüssigkeit zu stillen. Mit dem Nominalzusatz ›Leben‹ beschreiben H. bzw. D. allerdings ein [insbesondere dem >Künstlertypus eigenes] extremes Verlangen nach körperlichen und seelischen Grenzerfahrungen. L./L. äußern sich u.a. im übersteigerten Konsum von fetter Nahrung (Diego Rivera), alkoholischen Flüssigkeiten (Jackson Pollock), illegalen Rauschmitteln (Jean-Michel Basquiat), Huren (Henri de Toulouse-Lautrec) und Ehefrauen (Pablo Picasso). Im Einzelfall führt L./L. erst zu öffentlichem Intimverkehr und dann vors Familiengericht (Jeff Koons).

KUNSTPHÄNOMENE Was macht Museumsvorplätze eigentlich so anziehend für Skater? Egal, ob Sydney, Barcelona oder Berlin: Überall zeigen die jungen Wilden auf den Flächen, Stufen und Geländern ihre Tricks. Wahrscheinlich liegt es an der Geradlinigkeit der architektonischen Moderne aus Beton, Granit und Stahl.

Doch die Extremsportler stellen irgendwie auch ein Gleichgewicht her: Museen gehören zu den am stärksten regulierten Orten - Skateboarding hingegen ist Anarchie.

Grafik:

Ein 3D-Scanner, genauer: ein Weißlichtinterferometer, erfasst die Form des Replikats

Die Kopie des "Denkers" ... ... wird teilweise eingescannt ... und dann wieder montiert. Danach schnitzen die Laser den Denker ... ... Stück für Stück in einen Spezialkunststoff

Mathe für Anfänger:

Damien Hirst plus Totenkopf aus Platin plus 8601 Diamanten gleich: das teuerste atelierfrische Kunstwerk aller Zeiten.

74 Millionen Euro soll es kosten - und auch die Interessenten sind recht hochkarätig: un ter an deren George Michael und sein Boyfriend Kenny Goss.

Mehr Bilder auf der Galerie- Seite: www.whitecube.com

Die Spiegel trüb und beschädigt, die Deckengemälde von Charles Le Brun durch Kerzenruß und falsche Restaurierungen verdunkelt - über 300 Jahre nach seiner Vollendung hatte der Spiegelsaal von Versailles seinen Glanz verloren. Jetzt hat ein Restauratorenteam drei Jahre an dem Ensemble gearbeitet, der Erfolg ist überwältigend: frische leuchtende Farben, blitzblanke Spiegel wie zu Zeiten des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Nicht sehen, nur tasten. Sobald ein Besucher in die dichte Wolke tritt, scheint es, als löste sich sein Körper im Weiß auf. Der mit Wasserdampf gefüllte Glaskasten steht bis 19. August in der Schau "Blind Light" des Briten Antony Gormley in der Londoner Hayward Gallery. Demnächst im Berliner Georg-Kolbe-Museum:

"Antony Gormley. Bodies in Space" (16. September bis 28. Oktober).

Es werde Licht: Ein Wasserbecken spiegelt die leuchtende Museumserweiterung des New Yorker Architekten Steven Holl

Begehbare Skulptur: Die fünf Container werden zum Teil der Landschaft - und der größte Teil des Neubaus liegt unter der Erde

Rodins "Der Denker" unter dem Mikroskop

Der Meister der Linie: die "Raumzeichnung" des österreichischen Künstlers Otto Zitko

Hito Steyerl

Ricardo Basbaum

Luis Jacob

Gerwald Rockenschaub

Ai Weiwei Nedko Solakov

Mahnmale der Konzeptkunst: frittierte Videokassetten

Künstler mit gesteigerten Grundbedürfnissen: links Rembrandt ("Selbstbildnis mit Saskia", um 1636), unten A. R. Penck

Skater-Revier: der Museumsvorplatz vom MACBA in Barcelona