Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Pinar Mayaog¯ lu, 28, und Nicolas Kerksieck, 30, Künstlerpaar aus Berlin, reisten sechs Monate durch den australischen Busch und vergruben im Rahmen einer künstlerischen Intervention zum Thema Klimawandel dort ihren Müll.
Wieso fuhren Sie bis nach Australien, um ihren Müll zu vergraben?
Kerksieck: Ursprünglich hatten wir nicht vor, unseren Müll dort zu vergraben. Aber wenn man tagelang im Busch unterwegs ist, kommt man zwangsläufig zu der Frage:
Wohin damit? Anders als in der Stadt gab es niemanden, der den Abfall für uns entsorgt, also mussten wir es selbst tun.
Gut, aber ist das gleich Kunst?
Kerksieck: Wir wollten auf jeden Fall mit der Erde vor Ort arbeiten. Wenn Sie bei 40 Grad Celsius mit einem Spaten eine Grube in den steinharten Boden graben müssen, hat das eine bildhauerische Qualität. Das war ein schmerzhafter Prozess, den wir intensiv diskutiert haben. Für einen Bildhauer ist es zudem reizvoll zu wissen, dass seine Skulptur da noch in tausend Jahren im Boden versenkt sein wird.
Und nun rufen Sie die Allgemeinheit auf, es Ihnen gleich zu tun?
Mayaoglu: Ja, die Idee, dass das jeder einmal probieren sollte, kam uns im Nachhinein.
Es ist nicht so, dass wir zur Umweltschändung aufrufen. Wir denken, dass sich jeder mit dem Gedanken befassen sollte.
Das könnte ein Umdenken über die eigene Müllproduktion in Gang setzen.
