Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 121
Als die Bilder bunt wurden
Von Peter Meyer
Die Farbfotografie wird 100 Jahre alt: Wie sich das Medium bis in die digitale Gegenwart entwickelt hat BUCH DES MONATS
Am Anfang stand ein Geburtsfehler. Enttäuscht stellten die Erfinder der Fotografie im 19. Jahrhundert fest, dass sie nur Schwarzweißaufnahmen machen konnten. Es dauerte noch fast 70 Jahre, bis dieser Mangel befriedigend behoben war: Am 10. Juni 1907 präsentierten die Brüder Louis und Auguste Lumière in Paris ihr (relativ einfaches) Autochromverfahren - das Datum gilt seither als Geburtstag der Farbfotografie.
Seine hundertste Wiederkehr nutzt die renommierte britische Kuratorin Pamela Roberts nun zu einem ebenso opulenten wie informativen Rückblick.
Es ist eine faszinierende Erfolgsgeschichte, in der es schon früh die ersten Klassiker gab: Dem Amerikaner Edward Steichen und dem Engländer John C. Warburg etwa gelangen trotz klobiger Apparate und langer Belichtungszeiten einprägsame Bilder, aber auch der Österreicher Heinrich Kühn gehört mit sensiblen Porträts seiner Kinder zu den Pionieren.
Rasch sorgte der technische Fortschritt für immer bessere Techniken. So in den Dreißigern, in denen Kamerakünstler wie László Moholy-Nagy oder Paul Outerbridge ihre virtuosen Aufnahmen machten, während Werbung und Mode die bunten Bilder entdeckten. Später sorgten die Einführung von Kodachrom- und Polaroidfotografie für einen Boom, der das Medium massentauglich machte; zugleich erschlossen Individualisten wie William Eggleston oder Cindy Sherman der Farbfotografie neue, eindrucksvolle Motive. Roberts komplettiert ihre Chronik mit rund 260 Aufnahmen, darunter neben stilbildenden Meisterwerken auch überraschende Trouvaillen. Was nicht zuletzt dafür sorgt, dass der Band genau so facettenreich ist wie sein Thema.
