Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 120
Verstörendes Drinnen
Von K K
Die Interieurmalerei um 1900: eine sensible Analyse
Zeitschriften, Literatur, Theater und Medizin priesen die Geborgenheit und Intimität des wohleingerichteten Heims, die Künstler interessierten sich jedoch eher für die stillen Dramen hinter den gediegenen Fassaden:
Paul Signac malt Szenen langweiliger Ehen, Edvard Munch vereinsamte Hausbewohner, Félix Vallotton heimliche Rendezvous und Edouard Vuillard gefräßige Einrichtungen. "Aus dem heimatlichen, häuslichen entwickelt sich weiter der begriff des augenentzogenen, verborgenen, geheimen", heißt es im Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Sinngemäß dazu untersucht Felix Krämer, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Hamburger Kunsthalle, in einer anspruchsvollen Studie die mal verstörenden, mal bedrohlichen Elemente in der europäischen Interieurmalerei um 1900 und bringt dabei sensible, detailgenaue Innenansichten ans Licht. K. K.
Felix Krämer. Das unheimliche Heim.
Zur Interieurmalerei um 1900. Böhlau Verlag. 262 S., 132 Abb., 34,90 Euro
