Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 114

Zepter aus dem Kratersee

Von Kirsten Einfeldt

Archäologie: Aufregende Funde im mexikanischen Hochgebirge

Der Sonnen- und der Mondsee (der Lago del Sol und der Lago de la Luna) liegen pittoresk im mexikanischen Hochgebirge, zwei Autostunden südwestlich von Mexiko-Stadt, mitten im Krater des Vulkans Nevado de Toluca. Doch seit kurzem ist die Stille 4200 Meter über dem Meeresspiegel gestört: Unterwasser- und Hochgebirgsarchäologen des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte haben hier ihr Lager aufgeschlagen. Der Grund für ihre Anwesenheit ist ein sensationeller Fund: Taucher bargen Dutzende wertvoller Obsidiane und Türkise, Jadeschmuck und mehrere hölzerne Zepter aus dem Mondsee.

Die Experten gehen nun davon aus, dass im Mondsee vor 1300 bis 1500 Jahren eine Kultstätte existierte, die der toltekisch-aztekischen Regen- und Wassergottheit Tláloc gewidmet war. Bei Taucherkundungen fanden die Wissenschaftler auch wahrhaftig eine lang gestreckte, möglicherweise ehemals besiedelte Plattform auf dem Grund des Sees, die Archäologen als Prozessionsstraße deuten und an deren Ende alle bislang gefundenen Stücke lagen. Ungeklärt ist aber weiterhin, welche Kultur die angebliche Prozessionsstraße angelegt haben könnte, auch weil bislang unbekannt ist, wann der Vulkankrater überflutet wurde. Hier sollen Laboranalysen der bisherigen Fundstücke Klarheit bringen.