Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 115
Schreiner aus Malmö packt aus
Von Clemens Bomsdorf
Verdacht: "Brillo"-Boxen nach Warhols Tod hergestellt
Sie gehören zu den berühmten Werken der neueren Kunstgeschichte: Die "Brillo Boxes" von Pop-Art-Meister Andy Warhol (1928 bis 1987). Doch einige der teuren Kisten mit Aufdrucken des amerikanischen Scheuerpadherstellers Brillo, von denen etliche auch im Moderna Museet in Stockholm ausgestellt sind, wurden vermutlich erst nach dem Tod des Künstlers hergestellt. Dies wollen schwedische Journalisten der Tageszeitung "Expressen" herausgefunden haben. Dabei geht es um aus Holz gefertigte Schachteln, von denen bislang angenommen wurde, dass sie mit Genehmigung Andy Warhols hergestellt worden seien. "Wir haben realisiert, dass die Brillo-Kartons in unserer Sammlung und etliche mehr ohne Erlaubnis des Künstlers entstanden sein könnten", er klärt inzwischen auch Paulina Sokolow, Sprecherin des Moderna Museet. Eine Untersuchung soll Klarheit bringen.
Im Stockholmer Moderna Museet fand 1968 eine große Warhol- Ausstellung statt. Eingeladen von Gründungsdirektor Pontus Hultén (1924 bis 2006) zeigte der US-Künstler unter anderem Hunderte von Brillo-Kisten. Angeblich handelte es sich dabei neben aus New York gelieferten Originalkartons aus Pappe auch um Holzkisten, die eigens für die Schau in Stockholm mit Zustimmung Warhols gefertigt worden seien, so jedenfalls schreibt es Hultén in seinem 2004 publizierten Buch "The Pontus Hultén Collection". Doch von den damaligen Mitarbeitern im Moderna Museet erinnert sich niemand daran, vor der Ausstellung Holzkisten hergestellt zu haben. Aber nun behauptet ein Schreiner in Malmö etwa 100 Boxen 1990 - also drei Jahre nach Warhols Tod - im Auftrage von Pontus Hultén angefertigt zu haben. Sollte dieser Mann die Wahrheit sagen, sieht es ganz so aus, als wäre der renommierte Ausstellungsmacher und Museumsdirektor sehr großzügig gewesen, als er die Holzboxen, von denen er einige auch dem Moderna Museet vermachte, während andere auf dem Markt für bis zu 100 000 Euro verkauft wurden, als Warhol-Werke ausgab.
Doch selbst wenn sich der Verdacht bestätigen sollte, will das Stockholmer Museum die "Brillo"-Kisten weiter ausstellen.
Schließlich sei en sie in jedem Fall integraler Bestandteil der Geschichte des Hauses.
