Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 115

Kecír - der erfundene Maler?

Von Susanne Altmann

Markt: Tschechiens Presse glaubt an groß angelegten Betrug

Bilder des tschechischen Malers Bohumil Samuel Kecír (1904 bis 1987) erfreuten sich noch bis vor Kurzem auf dem Kunstmarkt großer Beliebtheit. Besonders in Österreich waren Kecírs lyrisch-expressive Abstraktionen in starken Farben, die für etwa 5000 Euro pro Gemälde angeboten wurden, gefragt. Allein in den Jahren 2001 bis 2006 wurden rund 90 Werke auf Auktionen versteigert. Die akzeptablen Preise und nicht zuletzt die spannende Künstlervita förderten die Attraktivität der Kecír- Werke: Nach einem Studium in Prag und Paris bereiste der in Mähren geborene Künstler angeblich die halbe Welt, wurde während des Zweiten Weltkriegs als Halbjude von der Gestapo verfolgt und starb vergessen in einer psychiatrischen Anstalt in Brno, ehemals Brünn. Doch da gibt es ein Problem: Wahrscheinlich hat Kecír nie existiert und seine Geschichte wie auch seine Bilder sind Produkte einer ausgeklügelten Fälschungskampagne. Das fanden Journalisten verschiedener tschechischer Medien heraus.

Auslöser des großen Presseinteresses war eine Reportage des Senders TV Nova, die Lebenszeichen des geheimnisvollen Malers nachspürte. Doch amtliche Urkunden oder sonstige Beweise für Kecírs Erdendasein gab es nicht.

Weder war er in der Patientenliste des psychiatrischen Krankenhauses noch im Kirchenregister vermerkt. Dabei fand doch 1987 in der Brünner Jakobskirche eine Totenmesse für Kecír statt. Das behauptet der Wiener Kunstexperte Erich Tromayer in seiner 2005 erschienen Biografie über den Meister. Für ihn, der Kecír nie persönlich begegnet ist und die Werke erst in den neunziger Jahren kennen gelernt hat, gibt es keinen Zweifel an dessen Existenz.

Er meint: "Die Tschechen sind nur neidisch, weil so viele von Kecírs Bildern in Österreich hängen." Der österreichische Spezialist hat ein Fachgutachen anfertigen lassen, das neue Beweise bringen soll. Tschechiens Presse spricht indes von einem groß angelegten Betrug durch eine Kunstmarktmafia. Warum keiner der Kecír - Sammler Strafanzeige stellt oder wenigstens eine chemische Analyse der Gemälde in Auftrag gibt, erklärt sich Emil Celeda, Anlageberater für Kunstinvestitionen so: "Solche Untersuchungen lohnen sich nur, wenn es um wirklich teure Gemälde geht." Bleibt also noch die Frage, wer denn das stattliche OEuvre, falls Bohumil Samuel Kecír nie gelebt hat, gemalt haben könnte?

Vielleicht hat alles ja als Parodie auf die Mechanismen des Kunstmarkts begonnen, initiiert von einem listigen Künstler und dann ein Eigenleben entwickelt. Im Tschechischen jedenfalls ähnelt Kecír dem Wort "Kacír?" - und das heißt übersetzt "Ketzer".