Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 117
Das Geschäft mit den Messen
Von Claudia Bodin
Markt: US-Firma kauft Art Chicago, Volta- und Armory Show
Erst Chicago, dann Basel und jetzt New York - die amerikanische Firma Merchandise Mart Properties Inc. (MMPI) kauft reihenweise Kunstmessen auf. Das Chicagoer Unternehmen, das mit der Verwaltung von Immobilien und der Organisation von Messen für die Bekleidungs- oder Möbelindustrie groß wurde, entdeckt den Kunstmarkt als lukratives Zusatzgeschäft. Angefangen hatte alles mit einer Hilfsaktion, erläutert MMPI-Vizepräsident Mark Falanga: Im April 2006 gab es bei der "Art Chicago" massive Probleme mit der Veranstaltungshalle, die Galeristen konnten ihre Stände nicht aufbauen - das war drei Tage vor dem Eröffnungstermin. MMPI, die 17 Ausstellungszentren in den USA verwalten, halfen den Chicagoern aus der Klemme. Kurzfristig organisierte Falangas Team eine funktionstüchtige Halle an einem anderen Standort, änderte die Werbebanner auf 60 Bussen, tauschte sämtliche Plakate in der Stadt durch neue aus und verschickte 40 000 E-Mails. Mit Erfolg: Die Besucherzahlen der "Art Chicago" verdoppelten sich 2007 auf 41 000. Nach diesem Einstieg in die Kunstwelt übernahm MMPI die komplette Messe.
Der Deal brachte die Firma auf den Geschmack. Anschließend kaufte das Unternehmen die junge Schweizer "Voltashow" in Basel. Die von den Galeristen Kavi Gupta, Friedrich Loock und Ulrich Voges gegründete Satellitenmesse zur "Art Basel" war 2005 erstmals an den Start gegangen.
Kürzlich kündigte MMPI nun eine "strategische Partnerschaft" mit einer der weltweit wichtigsten Kunstmessen an, der New Yorker "Armory Show". Der Schritt wird als Auftakt zum Kauf gesehen.
"Armory"-Chefin Katelijne de Backer begrüßt die Übernahme.
Merchandise Mart soll bei der Produktion der Messe und bei Bereichen wie dem Ticketverkauf oder den Sicherheitsmaßnahmen helfen, so de Backer. "Wir können uns mehr auf andere Aspekte wie die Auswahl der Kunsthändler und die Präsentation kümmern", meint Armory-Mitbegrün der Paul Morris. Die Messe, die dieses Jahr in eine größere Halle zog und mit 52 000 Besuchern und Umsätzen von 85 Millionen Dollar (rund 65 Millionen Euro) wieder Rekorde einfuhr, besteht 2008 zehn Jahre.
