Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 119
Steinkreis im Rennstall
Von Hans Pietsch
Projekt: Britischer Arts Council leiht Werke an Firmen aus
Auf dem grauen Steinfußboden liegt einer der berühmten Steinkreise von Richard Long. Daneben steht eine von Antony Gormleys lebensgroßen Figuren aus rostendem Metall. Plastiken von Tony Cragg, Anthony Caro und Shirazeh Houshiary vervollständigen die aus 25 Arbeiten bestehende Skulpturenschau in dem von Sir Norman Foster entworfenen eleganten Glasgebäude.
Dies ist kein neues Museum, sondern die vielleicht schickste Automobilfabrik der Welt: das Hauptquartier des erfolgreichen Formel-1-Rennstalls McLaren in der Nähe von London.
Die hier ausgestellten Kunstwerke gehören dem britischen Arts Council, der für die Verteilung staatlicher Subventionen an Kultureinrichtungen zuständigen Organisation. Sie besitzt eine umfangreiche Sammlung britischer Kunst, aber kein Ausstellungshaus und hat nun begonnen, gegen Bezahlung an Firmen einige Arbeiten auszuleihen. Erster Geschäftspartner:
Rennstallbesitzer und Kunstliebhaber Ron Dennis.
Wie viel Geld seine Firma für die auf drei Jahre befristete Leihgabe locker machte, bleibt geheim.
Schätzungen gehen von 150 000 Pfund (220 000 Euro) aus. Der Arts Council will für das Geld junge Kunst ankaufen. Und Unternehmer Dennis hofft, dass die Werke seine Belegschaft von etwa 1000 Mitarbeitern "zu Kreativität und noch besserer Arbeit anspornen werden".
Eigentlich ein ganz vernünftiges Konzept. Doch Kritiker wie die Journalistin Viv Groskop vom "Guardian" fragen, ob es richtig ist, "der Öffentlichkeit gehörende Werke an Privatfirmen zu verleihen?" Caroline Douglas, Leiterin der Arts Council Collection, hat keine Zweifel, schließlich seien doch "alle Kultureinrichtungen angehalten, private Sponsoren zu suchen".
