Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 119

Ein Denkmal zu Lebzeiten

Von Almuth Spiegler

Eröffnung II: Hermann-Nitsch-Museum in Mistelbach

Sicher ist die sakrale Anmutung angesichts dieses Gesamtkunstwerks von Fleisch, Blut und Katharsis kein Zufall: In einer ehemaligen Pflugfabrik im kleinen Städtchen Mistelbach, eine Zugstunde von Wien entfernt im Weinviertel, hat der Künstler Hermann Nitsch, 69, bekommen - ein eigenes Museum.

Wie ein mächtiges Kirchenschiff erstreckt sich die von den Architekten Johannes Kraus und Michael Lawugger elegant adaptierte Industriehalle fast 70 Meter in die Länge. Das obere Ende erscheint wie ein Chor erhöht, ein Guckloch gibt den Blick in eine Krypta frei, in der mit dem "Asolo-Raum" ein frühes Herzstück von Nitschs "Orgien-Mysterien-Theater" verehrt werden kann. Unentgeltlich und für 40 Jahre stellt der mit Staatspreis sowie Inszenierungen an Staatsoper und Burgtheater ausgezeichnete Wiener Aktionist seinem Hermann-Nitsch-Museum Werke zur Verfügung.

Im Fall der beeindruckenden Ausstellung zur Eröffnung waren das unter anderem 150 Kreuzwegstationen und Schüttbilder, 80 Messgewänder und 500 Fotografien.

Auf vielen davon sind die Orgien-Mysterien-Spiele auf seinem nur wenige Kilometer entfernten Schloss Prinzendorf dokumentiert, Nitschs "Bayreuth", wie er sagt, das er lang ersehnt und 1971 gekauft hat. Das Weinviertel sei für ihn "Mittelpunkt der Welt", schwärmte der Meister bei der Museumseröffnung.

Doch als Heimatkünstler will Nitsch sich freilich nicht abstempeln lassen, auch wenn eine Art modernes Heimatmuseum ab Herbst in unmittelbarer Nähe zu seinem Museum eröffnet werden soll: die "Lebenswelt Weinviertel". Mit der Nitsch-Halle und dem "Internationalen Messwein-Archiv" ist das "Museumszentrum Mistelbach", das sich das Land Nieder österreich fast fünf Millionen Euro kosten lässt, dann komplett.

Nitschs Museum ist der erste Teil eines Reigens von Künstlerehrungen des Landes Niederösterreich:

So soll 2008 in Baden Arnulf Rainer ein eigenes Museum erhalten. Im September wird das "Frohner Forum" in Krems eröffnet. Der Maler Adolf Frohner kann es nicht mehr miterleben, er starb überraschend im Januar.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,90 Euro.

Internet: www.mzmistelbach.at