Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 144
Wer nichts verkauft, fliegt raus
Von Almuth Spiegler
Geschäft: Österreichs erster Kunstsupermarkt eröffnet in Wien
Ein Drehkreuz am Eingang, Scanner-Kasse am Ausgang. Nur Einkaufswagen gibt es keine. Sonst wird "M-ARS", laut seinem Gründer, dem jungen Architekten Christian Smretschnig, der "erste Kunstsupermarkt" Österreichs, allen Vorurteilen, die man diesem neuen Genre entgegenbringen könnte, gerecht: Die Kunst im weitläufigen Straßenlokal im siebten Wiener Gemeindebezirk ist alles andere als vorteilhaft oder gar liebevoll arrangiert. Weiterreichende Informationen zu den Künstlern haben - zumindest bei der Eröffnung - gefehlt. Die karge Atmosphäre mit Neonröhren und (noch) halb leeren Regalen erinnert an einen 99-Cent-Laden.
Eingeschweißt und mit Preisschild versehen lehnen großteils Unikate - Fotokunst, Malerei, Kleinplastik von abstrakt bis gegenständlich, kitschig bis trashig - in grauen Regalen und sehen so notgedrungen noch blasser aus, als sie zumeist ohnehin sind.
Die Künstler, die sich für einen Regalplatz bei "M-ARS" übers Internet bewerben können und eine verdächtig große, 50-köpfige Fachjury passieren müssen, sind weitgehend unbekannt. Natürlich gibt es einige zarte Ausnahmen wie Stefan Hilge, Strabag-Art- Award-Gewinnerin Sevda Chkoutova oder Ulla Reithmayer. Doch das "M-ARS"-Sortiment nimmt auf derlei Eitelkeiten keine Rücksicht, es folgt einem knallharten System - schließlich sei das hier ein Geschäft und nicht irgendein Kunstprojekt, erklärt Smretschnig unmissverständlich: Wird von einem Künstler 45 Tage lang nichts verkauft, fliegt er eben aus dem Angebot. Wie Smretschnig mit Preisen zwischen 9,90 und 899,90 Euro, von denen die Künstler 65 Prozent bekommen, allerdings seine angepeilten 40000 Euro Jahresumsatz erreichen will, bleibt abzuwarten.
Internet: www.m-ars.at
