Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 145
Plündern und Putzen
Von Kia Vahland
KOMMENTAR
Dorische und ionische Säulen, ein Marmorboden wie im römischen Pantheon, darauf einige der schönsten Altertümer - die neue Antikenpräsentation des New Yorker Metropolitan Museum will den Besucher überwältigen.
Und ihm zwei Botschaften mitgeben: Wir behandeln die Dinge so gut wie im Alten Rom.
Und: Bei uns geht es überall so sauber zu wie auf den gewienerten Marmorböden.
Das sieht hübsch aus, ist aber Architektur gewordene Lebenslüge.
Denn amerikanische Museen treiben die Zerstörung antiker Stätten seit Jahrzehnten voran: Durch teure Ankäufe von Stücken dubioser Herkunft haben sie Raubgräberei gefördert. Eine frühere Kuratorin des J.-Paul- Getty-Museums in L. A. steht vor Gericht, weil sie mit dem Händler Robert Hecht illegal gehobene Stücke in die USA brachte.
Dessen italienischer Mittelsmann Giacomo Medici ist bereits verurteilt.
Hecht und Medici verkauften ihre geplünderten Antiken auch an das Metropolitan. Einige davon sind in der neuen Dauerausstellung zu sehen; sie sollen nächstes Jahr nach Italien zurückgehen.
Dies werden kaum die letzten umkämpften Werke der Schau sein - den Streitwagen von Monteleone fordert das umbrische Dorf auch schon lange zurück.
Leider ist das Met nicht souverän genug, solche Konflikte in der Schau zu dokumentieren. Statt dessen verhöhnt der verantwortliche Kurator, Carlos Picón, die UNESCO-Konvention von 1970 zum Schutz antiker Kunst: Im "New Yorker" bekundete er sein Verständnis für den "Zigeunerinstinkt" von Grabräubern - Schatzsucherei sei nun einmal menschlich.
Es lohnt sich also, weiter zu buddeln. Den Italienern bleibt die Gewissheit, dass sie das echte Pantheon besitzen. Das ist nicht frisch geputzt, aber dafür in Rom am rechten Ort.
