Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 146
Streit im Hause Saura
Von Merten Worthmann
Erbe: Künstlerwitwe will "Pseudo-Stiftung" schließen
Neun Jahre nach dem Tod des spanischen Malers Antonio Saura (1930 bis 1998) hat sich seine Familie darüber zerstritten, wie, wo und von wem der Nachlass am besten gepflegt wird. Seine Geschwister Carlos und María Ángeles Saura unterstützen die Antonio-Saura-Stiftung, die noch zu Lebzeiten des Malers in Cuenca gegründet worden war, dem letztem Wohnort des Expressio nisten.
Seine Witwe Mercedes Beldarraín und seine Tochter Marina dagegen machen der Stiftung das Recht streitig, Sauras Namen zu benutzen und Werke aus dem Nachlass betreuen zu dürfen. Bereits 2006 haben sie mit Sauras Anwalt und Testamentsvollstrecker Olivier Weber-Caflisch eine eigene Saura-Stiftung in Genf gegründet. Dort lagert nun das persönliche Archiv des Malers, das ursprünglich in Cuenca bleiben sollte.
Die Konfrontation reicht zurück in Antonio Sauras letztes Lebensjahr. Der Künstler, schwer an Leukämie erkrankt, hatte die Gründung der Stiftung in Cuenca selbst mit vorangetrieben. Als jedoch klar wurde, dass die Stadt Cuenca und die Landesregierung Castilla-La Mancha als federführende Institutionen sich nur unzureichend engagieren würden, schwenkte Saura um. In einer maschinengeschriebenen Erklärung, elf Tage vor seinem Tod verfasst, bat er Weber-Caflisch, sämtliche Bindungen zur entstehenden Stiftung rückgängig zu machen und spätere Lösungen unbedingt im Einvernehmen mit seiner Frau und seiner Tochter Marina zu suchen. Im September 2005 aber sprach Spaniens Oberster Gerichtshof dieser Erklärung jede Rechtsgültigkeit ab, da das Schreiben Sauras nicht notariell beglaubigt wurde.
Also kann die Stiftung in Cuenca - bisher kaum aktiv - weiterhin unter Sauras Namen arbeiten.
Seit Februar 2007 tut sie das mit Unterstützung der Geschwister und einem von 62 000 auf 360 000 Euro erhöhten Jahresetat.
Witwe, Tochter und Anwalt haben derweil eine Unterschriftenkampagne initiiert, um die Schließung der "Pseudo-Stiftung" zu erwirken und Antonio Sauras vermeintlich allerletztem Willen Genüge zu tun. Zu den rund 300 Unterzeichnern gehören auch zahlreiche Museumsdirektoren, Galeristen und Künstler, etwa Eduardo Arroyo, Franz Gertsch oder John Armleder.
