Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 108

Hommage an den Goldkehlpitta

Von Ralf Schlter

NÜRNBERG: ROMANTISCHER KONZEPTUALISMUS

Jenseits des Mondlichts - die Kunsthalle zeigt konzeptuell gezügelte romantische Arbeiten. Die Rückkehr der Romantik hat den Kunstbetrieb in Legitimationsnot gebracht. Auf den Bildern junger Maler sitzen Teenager an Lagerfeuern, einsam wandelnde Mädchen blicken melancholisch zum Horizont, auch Krähen vor Mondlicht sind ein Motiv, das nicht etwa verlacht, sondern neuerdings geschätzt wird. Am Erfolg dieser "Wunschwelten" ist nichts mehr zu deuteln - aber es knirscht doch ganz schön im Diskurs, wenn erklärt werden muss, warum "Mädchen mit Katze" jetzt das zeitgemäße Ding ist. Meist heißt es dann, es gehe nicht um das romantische Bild, sondern um die Vorstellung des romantischen Bildes, das von den Künstlern als künstlich und konstruiert entlarvt werde. Nun ja.

Zum Glück gibt es Versuche zur Differenzierung - diese Ausstellung gehört dazu. Der Kurator Jörg Heiser will zeigen, dass romantische Motive keineswegs in Gegensatz stehen müssen zu einer konzeptuellen Vorgehensweise. Er widerspricht damit Sol LeWitt, der einst gefordert hatte, Konzeptkunst müsse "emotional trocken" sein, um zur Erkenntnis führen zu können.

In den kleinen, fast kabinettartigen Räumen entfaltet sich ein faszinierendes Spektrum von Arbeiten, die man als heißkalt bezeichnen könnte. Romantische Motive wie Abschied, Naturgewalten oder Vergänglichkeit sind durch strenge konzeptuelle Anordnung quasi gezügelt. So erinnern die 16-Millimeter- Filme des großartigen Bas Jan Ader an die Lehrfilme aus der Schule: Nüchtern und profan in der Machart, zeigen sie poetisch-traurige Bilder, etwa den Künstler, der einem kräftigen Wind wiederstehen will und doch umfällt. Henrik Håkansson setzt einem Vogel - der Goldkehlpitta - ein Denkmal, Didier Courbot betätigt sich in einer Fotoserie als romantischer Held, indem er Schäden im öffentlichen Raum auf eigene Faust "repariert". Konzeptkunst ist längst keine Anstalt der Wahrnehmung mehr - sondern eine thematisch offene künstlerische Methode. RALF SCHLÜTER Termine: bis 15. Juli. Weitere Station: BAWAG Foundation, Wien, 14. September bis 1. Dezember.

Katalog: Kerber Verlag, erscheint Ende Juni, Deutsch/Englisch, im Buchhandel zirka 25 Euro.

Internet: www.kunsthalle.nuernberg.de

RALF SCHLÜTER