Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 141

Ein Glücksfall für Wuppertal

Von Manfred Schwarz

Projekt: Tony Cragg will 2008 seinen Skulpturenpark eröffnen

An einer Wuppertaler Hauptverkehrsstraße steht zur Zeit Tony Craggs monumentale Skulptur "I' m alive" (2005): ein ebenso elegant wie vital anmutendes, kühn geschwungenes Lebenszeichen aus hochglänzendem Edelstahl.

Trotz ihrer Dimensionen wirkt sie verloren im chaotischen Strom des Autoverkehrs. Es wird jedoch nicht mehr allzu lange dauern, bis dieses Werk einen anderen, angemessen großzügigen Raum zur Entfaltung finden wird.

Ab nächsten Sommer soll es - nicht weit entfernt von den Blechlawinen - auf dem Plateau eines Hügels stehen, umgeben von alten Bäumen.

Denn dort lässt der 1949 in Liverpool geborene Bildhauer Cragg, der seit mehr als 30 Jahren in Wuppertal lebt und arbeitet, derzeit einen öffentlichen Skulpturenpark anlegen - ein Glücksfall für die Stadt. Vor anderthalb Jahren kaufte die Cragg-Foundation, die der Künstler eigens zu diesem Zweck gegründet hatte, das ehemalige, lange brachliegende Domizil des Wuppertaler Fabrikanten und Kunstsammlers Kurt Herberts - ein ausgedehntes, von üppigem Baumbestand gesäumtes, sich über einen Hügel erstreckendes Terrain von etwas 16 Hektar Größe. Dass die Stiftung den ganzen Besitz übernehmen konnte und zudem aufwändige Umbau- und Sanierungsmaßnahmen finanzieren kann, lässt auf ein solides Stiftungsvermögen schließen. Tony Cragg übertrug ihr die Eigentumsrechte an einem größeren Konvolut seiner Skulpturen.

In der denkmalgeschützten, nach anthroposophischen Vorstellungen errichteten Villa Herberts, die auf dem grünen Hügel thront, soll später einmal die Cragg-Foundation ein Büro beziehen.

Auch ein Arbeitsplatz für den Künstler selbst, eine Gästewohnung und Ausstellungsräume sind eingeplant. Im Gartenbereich vor dem Haus will Cragg zudem auch Werke von einigen ausgewählten Kollegen präsentieren, die wie er selbst vor allem nach der Schaffung "skulpturaler Ereignisse" streben.

Parallel zur Restaurierung der Villa entsteht zur Zeit im Eingangsbereich ein Café. Anstelle der alten Swimmingpools wird ein gläserner Ausstellungspavillon errichtet. Das Parkgelände selbst aber soll in seiner verwunschenen Anmutung möglichst erhalten bleiben, mit all dem Unterholz, den alten Wegen und Bäumen: Damit hier später rund 15 Skulpturen von Tony Cragg ihre lebendige Wirkung entfalten können.