Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 140

Hommage an die kleinen Dinge

Von Kito Nedo

Museum: Berliner Werkbundarchiv öffnet wieder

Ein Wunder", sagt Renate Flagmeier, Kuratorin des "Werkbundarchiv - Museum der Dinge" und meint damit eigentlich das Ergebnis jahrelanger, harter Lobbyarbeit. Im hundertsten Jahr des Bestehens des Deutschen Werkbunds kann das Museum endlich am 28. Juni seine neuen Räumlichkeiten in Berlin-Kreuzberg eröffnen - damit haben fast fünf unwürdige Jahre ohne eigene Ausstellungsräume ein Ende.

Ehemals war die Institution, in deren Sammlung sich etwa 20 000 Alltagsgegenstände, darunter Design von Peter Behrens, Henry van de Velde oder Bruno Taut, sowie rund 35000 Dokumente aus der Geschichte des Werkbunds befinden, ebenso wie die Berlinische Galerie im Berliner Martin-Gropius- Bau beheimatet. Doch nachdem der Bund das Gebäude 2001 in seine Verantwortlichkeit übernommen hatte, wurde der einzigartigen Einrichtung wenig später der Nutzungsvertrag gekündigt.

Die Suche nach einem angemessenen Nachfolgedomizil und die damit verbundene Klärung offener Finanzierungsfragen gestaltete sich äußerst schwierig.

Im letzten Jahr wurden Flagmeier und ihre Kollegin Imke Volkers endlich fündig und mieteten in unmittelbarer Nachbarschaft der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst auf der pulsierenden Kreuzberger Oranienstraße rund 1000 Quadratmeter eines alten Industriegebäudes. Möglich war dies nur, weil die Berliner Senatsverwaltung den Etat um die Miet- und Betriebskosten von 100 000 Euro auf rund 335000 Euro aufstockte - eine Entscheidung, die angesichts der angespannten Haushaltslage tatsächlich fast wundersame Züge trägt. Auch wenn die neuen Räume nur halb so viel Ausstellungsfläche bieten wie einst im Gropius- Bau, so befindet sich das Museum doch nun mitten in einem der urbanen Brennpunkte Berlins. "Hier ist man dichter am Leben", freut sich Kuratorin Flagmeier - für ein Museum für Alltagskultur ist das ein sehr guter Neustart. Internet: www.museumderdinge.de