Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 109
Wach und fit
Von Susanne Altmann
DRESDEN: SCHLAF UND TRAUM
Diese Ausstellung müsste eigentlich schläfrig machen. Sie liegt in schummrigem Halbdunkel, und schon im Eingangsbereich ertönt ein Schnarchen. Das gehört zwar zu der Bild-Ton-Installation "Schlaf Traum" von Philipp Stölzl und Johannes Gebert, veranlasst die Besucher jedoch prompt zum Flüstern - man will ja niemanden aufwecken.
Doch keine Sorge, erst im letzten Raum steht ein großes Bett, direkt vor der Wandarbeit "Auf Zeit" von Raffael Rheinsberg, für die der Künstler unzählige Wecker in ihre Einzelteile zerlegte.
Dazwischen ist auf 800 Quadratmetern eine höchst aufgeweckte Schau gelungen.
Mit der Kombination von wissenschaftlichem Material und Kunst nähert sich das Deutsche Hygiene-Museum nach Ausstellungen zu Hirnforschung, Sexualität und Evolution wieder einem spannenden Gegenstand. "Schlaf und Traum" untersucht in fünf Abteilungen jenen Zustand, mit dem wir fast ein Drittel unseres Lebens zubringen.
Die Sektion "Todmüde" stellt Experimente des Schlafentzugs vor, die in den sechziger Jahren Konjunktur hatten. Übermüdung wird als Hauptursache von Havarien im Zeitalter der Hochtechnologie identifiziert: Das Reaktorunglück von Tschernobyl und die Explosion der Raumfähre Challenger stehen dafür. Hier setzen die Kuratoren auf Archivalien und verzichten noch auf Kunstwerke - bis zu "Traumwelten".
Dort steht Katharina Fritschs Monument für einen Alptraum: "Mann und Maus" (1991/92). Die Riesenmaus hockt dem Schläfer auf der Brust und erweist sich als moderne Variante von Johann Heinrich Füsslis Monster in "Der Nachtmahr" (um 1781). Heimsuchungen bevölkern Werke von Odilon Redon, Alfred Kubin und Max Klinger.
Die Surrealisten hatten die schöpferische Ausbeutung des Traums gar zum Dogma erhoben - hier demonstriert durch Sequenzen des Films "Der andalusische Hund" (1929) von Luis Buñuel.
Das Ausstellungsdesign haben die Architekten Nikolaus Hirsch und Wolfgang Lorch einer Schlafkurve nachempfunden.
Ohne Insiderwissen erschließt sich das kaum. Dennoch erfreut der Schlängelparcours mit einer gelungenen Synthese aus Durchblicken und versteckten Räumen, Laboren, Wunderkammern und - natürlich - Schlummerecken.
Termin: bis 3. Oktober. Katalog: Böhlau Verlag, 14,90 Euro. Internet: www.dhmd.de
