Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 152

Ein atemloses Leben

Von A N

Spannende Lektüre: über die Schicksalsschiene zur Kunst der Plastikerin Eva Hesse

Der Journalist Michael Jürgs, Biograf so prominenter Zeitgenossen wie Romy Schneider, Axel Springer und Günter Grass, lebt in der Hamburger Isestraße. Als er erfuhr, dass dort auch Eva Hesse, eine der großen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, als Kind jüdischer Eltern zu Hause war, erwachte sein Interesse an ihrem Schicksal.

Erste Recherchen - 1939 Emigration der Familie nach New York, 1946 Selbstmord der Mutter, von 1954 an Psychotherapie der traumatisierten Tochter - lösten eine systematische Spurensuche aus, bei der sich Jürgs das ihm fremde Terrain der modernen Kunst erobern musste.

Entstanden nach Ortsterminen und Interviews mit nahezu allen noch lebenden Bezugspersonen der 1970 mit 34 Jahren in New York gestorbenen Protagonistin ist keine Monografie, sondern ein detailreicher Tatsachen roman. Dessen Ausgangspunkt sind darum auch nicht die fragilen Kunststoffplastiken, die der attraktiven Frau schließlich in den "Olymp der Weltkünstler" (Jürgs) verhalfen. Vielmehr geht es um die psychischen und sozialen Bedingungen ihrer Entstehung - also um die beengten Verhältnisse nach der Einwanderung, dem von Versagensängsten und Geldnot geprägten Kampf um einen Platz in der Kunstszene, um Depressionen, Ehrgeiz, Willensstärke, Freundschaften und Beziehungskonflikte.

Vor allem Laien empfiehlt sich das engagierte Buch als Einstieg in das Abenteuer der zeitgenössischen Kunst. A. N.

Michael Jürgs: Eine berührbare Frau.

Das atemlose Leben der Künstlerin Eva Hesse. C. Bertelsmann Verlag. 382 S., 50 Abb., 19,95 Euro