Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 151

"Venedig ist mein Vorbild"

Von Claudia Bodin

Projekt: New Orleans will 2008 eine Kunst-Biennale veranstalten

Seit kurzem ist Dan Cameron, 50, neuer Direktor für visuelle Kunst am Contemporary Arts Center in New Orleans. Dort will er schon 2008 eine internationale Biennale organisieren. Mit dem engagierten Museumsmann, der zuvor als Kurator am New Museum of Contemporary Art in New York tätig war, sprach art-Korrespondentin . art: Sie haben Ausstellungen in Barcelona, Peking und Istanbul gemacht. Nach zehn Jahren geben Sie Ihren Kuratorenposten in New York auf, um sich New Orleans zu widmen. Was brachte Sie dazu, eine kulturelle Hilfsaktion für diese Stadt zu starten?

Cameron: Seit ich vor 20 Jahren New Orleans das erste Mal zum Jazzfest besuchte, kehrte ich an die hundertmal zurück. New Orleans ist für mich die schönste Stadt der USA mit einer einzigartigen kulturellen Geschichte. Im Januar 2006 wurde ich zu einer Diskussionsrunde zur Zukunft nach Hurrikan Katrina eingeladen. Damals wurde die Idee zur Biennale geboren. Ich brauchte ein Jahr, um das Programm zusammenzustellen.

Nachdem ich meine Vorschläge dem Contemporary Arts Center präsentiert hatte, bot man mir dort einen Chefposten an.

Wie würden Sie die Situation in der Stadt beschreiben?

Als Kombination von Hoffnung und Frustration. Die finanzielle Situation der Stadtverwaltung sieht nicht gut aus, man schlägt sich von Woche zu Woche durch.

50 Prozent der Künstler wurden vertrieben, viele der Ateliers durch den Sturm zerstört. Aber die Menschen hier sind wahre Kämpfer.

New Orleans war bislang nicht für seine Kunstszene bekannt.

Für Oktober 2008 kündigen sie "Prospect.1" an, eine 100-tägige Biennale.

Meine Vorbilder sind die Documenta in Kassel und die Biennale in Venedig. Ich versuche, aus einer Stadt einen Ausstellungsort zu machen. Unsere Gäste sollen nicht nur die Museen besuchen, sondern die Stadt mit ihrer Musik, Küche und Kultur erleben. Es wird die größte internationale Biennale in den USA. Wir werden Kunst in Museen, Kulturzentren, Lagerhallen, Fabriken und historischen Bauten zeigen, die sich über die ganze Stadt verteilen. Insgesamt stellen 75 internationale Künstler hier ihre Arbeiten aus.

Wie wollen Sie das Ganze finanzieren?

Durch Spenden. Ich pendele zur Zeit zwischen New Orleans und New York, um dort Geld zu sammeln.

Insgesamt brauchen wir drei bis vier Millionen Dollar, um alles organisieren zu können. Bislang bekommen wir meist sehr positive Reaktionen. Die Leute erkennen die Chance, an etwas teilhaben zu können, das nicht nur eigennützig ist.