Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 149

Kunst um jeden Preis

Von Claudia Bodin

New York: Rekordumsätze bei den Frühjahrsauktionen

Hoch waren die Erwartungen - doch sie wurden noch übertroffen: Bei den Frühjahrsauktionen in New York schien der Lust am Geldausgeben keine Grenzen gesetzt. Für Sotheby's Toplos "White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)" (1950) von Mark Rothko nahm Auktionator Tobias Meyer die Gebote in Millionen-Schritten entgegen.

Die Arbeit, die David Rockefeller 1960 für unter 10 000 Dollar erworben hatte, ging schließlich bei sagenhaften rund 73 Millionen Dollar mit Aufpreis (zirka 53,9 Millionen Euro) unter den Hammer - der höchste Preis, der bei Auktionen je für ein zeitgenössisches Kunstwerk bezahlt wurde.

Mehr als hundertmal fiel bei den Abendauktionen für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst von Christie's und Sothe by's der Hammer jenseits der magischen Grenze von einer Million Dollar.

Es hagelte Rekorde: 15 bei Sotheby's und 26 bei Christie's, das insgesamt an vier Tagen rund 760 Millionen Dollar (zirka 561 Millionen Euro) einspielte. Ganze 24 Stunden durfte sich Sotheby's damit schmücken, mit rund 254,9 Millionen Dollar das beste Ergebnis einer Auktion von zeitgenössischer Kunst eingefahren zu haben.

Dann wurde es von der Konkurrenz mit einem Umsatz von 384,6 Millionen Dollar übertrumpft.

Dies war das zweithöchste Auktionsergebnis überhaupt. Höher liegen nur die im November 2006 ebenfalls von Christie's erzielten rund 491 Millionen Dollar, die vor allem durch den Verkauf der damals restituierten Gemälde von Gustav Klimt eingebracht wurden. Der Markt scheint weiterhin keine Grenzen zu haben.

Andy Warhols Werk "Green Car Crash (Green Burning Car I)" aus der "Death and Disaster"- Serie (1963) bei dem Warhol mit der Wiederholung des Motivs von einem tödlichen Autounfall arbeitete, erzielte mit rund 71,7 Millionen Dollar (rund 52,9 Millionen Euro) einen wesentlich höheren Preis als das bislang am höchsten gehandelte Werk des Pop-Art-Künstlers "Mao" (rund 17,4 Millionen Dollar). Francis Bacon ("Study from Innocent X" von 1962) brachte rund 52,7 Millionen Dollar (zirka 38,9 Millionen Euro). Bei der Versteigerung für Impressionisten und moderne Kunst heizten Europäer, die den günstigen Dollarkurs nutzten, und Sammler aus Asien die Preise an. Paul Cézannes Aquarell "Stillleben mit grüner Melone" (1902/06) erzielte den Toppreis von rund 25,5 Millionen Dollar (zirka 18,8 Millionen Euro), Lyonel Feiningers "Jesuiten III" von 1915 überraschte mit einem Rekord von 23,3 Millionen Dollar.

Drei Werke von Jackson Pollock aber fanden bei Sotheby's keinen Abnehmer. Zwar gingen vier Bilder von Gerhard Richter zwischen 2,4 und dem Rekord von 6,2 Millionen Dollar weg. Aber für die Arbeit "Zwei spanische Akte (Osterakte)" von 1967 wollte niemand neun bis zwölf Millionen Dollar ausgeben. Skeptiker erkannten erste Zeichen für einen schwächelnden Markt. Alle anderen sahen nur zu aggressiv angesetzte Taxen.