Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 151
Das Recht auf rote Linien
Von Barbara Markert
Streit: Fotograf verklagt Modedesigner wegen Werbeanzeige
Wegen einer Werbeanzeige ist zwischen zwei bekannten Kreativen ein Streit entbrannt. Der Fotograf und Künstler William Klein hat den Modedesigner John Galliano wegen Nachahmung verklagt und im Schnellverfahren am Landgericht in Paris gewonnen. Galliano muss an den 79-jährigen Klein 200 000 Euro Schadensersatz zahlen.
Der Modesigner, der neben seiner Tätigkeit als Art Director bei Dior unter seinem Namen eine eigene Linie führt, hatte sich bei der Bildkomposition für eine Werbekampagne seines Labels von Kleins Arbeiten inspirieren lassen. Die Anzeige zeigt einen vergrößerten Kontaktabzug mit farbigen Bildern seiner Modelle, die von roten und blauen Lackstreifen eingerahmt sind. Ähnliche Bilder finden sich im Werk des in New York geborenen, in Paris lebenden Fotografen.
Klein war in den fünfziger Jahren mit schwarzweißen Abzügen, die er mit buntem Lack bemalte, bekannt geworden. Seine "contacts peints" waren erst 2005 in einer Schau im Pariser Centre Pompidou zu sehen. Obwohl Galliano keine Originalbilder Kleins benutzt hatte, sah der Richter in der Anzeige eine "unerlaubte Benutzung der Komposition ohne Autorisierung des Fotografen".
Die Werbung, die in französischen, russischen und englischen "Vogue" und "Elle" zu sehen war, wurde aus dem Verkehr gezogen.
"Ich bin stinksauer", wetterte Klein. Er sei der einzige, der solche Lacke bei bemalten Kontaktabzügen benutze. "Das sind meine Linien, meine Farben." Gallianos Anwälte haben indes angekündigt, Berufung einzulegen
