Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 94-97
Karriere eines "Wunderkindes"
Von Petra Bosetti
Eine Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum zum 200. Todestag BREGENZ: ANGELIKA KAUFFMANN. EIN WEIB VON UNGEHEUREM TALENT
Auf die Frage, wann die kleine Angelika denn angefangen habe zu malen, antwortete der Vater Johann Joseph Kauffmann: "Als sie zu sehen begann ... Noch bevor sie schreiben lernte." So beschreibt es die Autorin Gabrielle Alioth in ihrem 2007 bei Nagel und Kimche erschienenen Roman "Der prüfende Blick" über die Malerin Angelika Kauffmann (1741 bis 1807). "Bereits in der Wie gehabe das Mädchen mit Zeichenstiften gespielt. Es konnte noch nicht gehen, da habe es die Gesichter der Eltern an die Wände der Werkstatt gemalt", sollen, so Alioth, die Bewohner des Dorfes Schwarzenberg gemunkelt haben. Diese Mär vom Wunderkind hat die Nachwelt dem Vater zu verdanken. Ein "erfolgreicher Manager" sei er gewesen, "er hat sie als Wunderkind gehandelt und als Wunderkind verkauft", schreibt der Kunsthistoriker Oscar Sandner im Katalog zu der Ausstellung "Ein Weib von ungeheurem Talent" (der Titel bezieht sich auf ein Zitat von Goethe), mit der das Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz den 200. Todestag der Malerin begeht.
Das Museum besitzt die weltweit größte Kollektion mit Werken der aus Vorarlberg stammenden Künstlerin, für die Ausstellung werden sie ergänzt durch Leihgaben anderer Museen. Ein zweiter Teil der Ausstellung wird im Angelika- Kauffmann-Museum in Schwarzenberg gezeigt, das damit die Wiedereröffnung nach seiner Renovierung feiert.
Die "Hommage an das Leben und Werk von Angelika Kauffmann" vereint Schlüsselwerke aus allen von ihr gepflegten Gattungen: Porträt, Selbstbildnis, Allegorie, Historienbild, mythologische und religiöse Darstellungen. Angelika Kauffmann hat tatsächlich schon in frühester Jugend gemalt, assistierte ihrem Vater, der ebenfalls Maler war, zum Beispiel bei der Ausmalung der Pfarrkirche von Schwarzenberg (1758). "So verwunderlich gut sind ihre frühen Arbeiten freilich nicht", so Oscar Sandner. "Artemisia Gentileschi etwa hat mit 17, 18 Jahren weit besser gemalt", so Oscar Sandner. "Künstlerisch ,volljährig' wurde sie erst mit 21 Jahren." Den künstlerischen Durchbruch erlebte Kauffmann zu dieser Zeit auf einer der zahlreichen Reisen mit ihrem Vater, die sie über Parma, Modena, Bologna, Florenz und Rom nach Neapel führte.
Das inspirierende kulturelle Klima in Italien, vor allem aber das Kopieren Alter Meister - Caravaggio, Correggio, Domenichino, Guercino und Raffael - führten das junge Talent zur Vollendung.
Bereits bestehende Kontakte verschafften Angelika Kauffmann Zutritt zu den Höfen von Parma und Florenz, 1762 wurde sie sogar als Ehrenmitglied in die Accademia Clementina in Bologna aufgenommen.
1764 ließ sie sich in Rom nie der, wurde Mitglied der angesehenen Accademia di San Luca - damals eine erstaunliche Karriere für eine Frau. Hier widmete sie sich vor allem mythologischen Themen und der Historienmalerei, die "gemäß der Kunsttheorie jener Zeit als die vornehmste Bildgattung" galt, so Tobias G. Natter im Katalog.
1766 übersiedelte sie nach London, wo sie rasch zur begehrten Porträtistin der noblen Gesellschaft und des Adels wurde, gefördert von dem großen Kollegen Joshua Reynolds (1723 bis 1792). Angelika Kauffmann war sogar Gründungsmitglied der Royal Academy, auch heute noch die wichtigste Kunstinstitution in Großbritannien.
Ein dänischer Botschafter bemerkte zu ihrer Popularität: "Alles wird weg gerissen, was von ihr kommt ... the whole world is angelicamad." Die Verursacherin dieser "Angelikaverrücktheit" heiratete mit 40 Jahren den italienischen Malerkollegen Antonio Zucchi (1726 bis 1795) und ging mit ihm nach Italien. Ihr Salon in Rom war ein beliebter Treffpunkt für die internationale geistige und künstlerische Elite: Zu ihren Gästen zählten der Bildhauer Antonia Canova, der Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe oder der Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder.
Ihr Mann starb 1795, sie selbst zwölf Jahre später. Sie wurde neben ihm in der römischen Kirche San Andrea delle Fratte bestattet, das Begräbnis wurde von Antonio Canova arrangiert.
Angelika Kauffmann hat ein beachtliches Werk von rund 1000 Arbeiten hinterlassen.
Während vor allem ihre Porträts von neoklassizistischer Strenge geprägt waren, wurde ihre Historien- und Mythologie- Malerei noch von der Anmut und Verspieltheit des Rokoko dominiert, was ihr durchaus auch Kritik einbrachte.
Die "zarte Weiblichkeit", so der Kunsthistoriker August Wilhelm Schlegel (1767 bis 1845), "hat sich bei den Figuren mitunter auf eine unerlaubte Art eingeschlichen:
Ihren Jünglingen sieht es aus den Augen, dass sie gar zu gern einen Mädchenbusen hätten und womöglich auch solche Hüften". Termin: bis 5. November. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro. Internet: www.vlm.at
"Bildnis der Königin Maria Karolina von Österreich, Königin von Neapel, Erzherzogin von Österreich" (um 1782/83, 93 x 76 cm)
"Die drei Sängerinnen" (101 x 129 cm), Gemälde von 1796
Szene aus der Mythologie: Das Bild "Amor und Psyche" (216 x 165 cm) entstand 1792
Das wohl berühmteste Porträt von Angelika Kauffmann: "Selbstbildnis mit der Büste der Minerva" (um 1780, 93 x 77 cm)
