Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 20-43
Der rote Faden
Von
Die Documenta-Macher haben es bis zuletzt spannend gemacht. Statt Künstlerlisten lieferten Roger M. Buergel und Ruth Noack philosophische Leitgedanken. Da war von der Moderne als unserer Antike die Rede, von Schönheit und von Palmenhainen und dass Kunstbetrachtung echte Arbeit sei. Jetzt endlich wird der Schleier gelüftet: Zum großen Kunstgipfel nach Kassel sind 108 Künstler und Künstlergruppen aus aller Welt eingeladen - nicht nur ganz junge und viele von Orten jenseits der traditionellen Kunstzentren. Es gibt Installationen aus Benin, abstrakte Malerei aus Brasilien, Videokunst aus Taiwan und Tanzperformances aus New York. Wichtiger als berühmte Künstlernamen und kommerzielle Hitlisten sind den Kuratoren formale und inhaltliche Bezüge, also der verbindende rote Faden zwischen den Werken. Statt umfassender Künstler-OEuvres werden exemplarische Arbeiten gezeigt. Die Ausstellung ist nicht nach Ländern oder Genres sortiert, sondern lebt vom assoziativen Wechselspiel und der inhaltlichen Verknüpfung ganz verschiedener Positionen. Um zu zeigen, wie der Dialog zwischen Werken und Künstlern funktionieren könnte, hat art die Künstlerliste durchforstet. Fünf zentrale Themenkomplexe wurden eingekreist. Dabei überlagern sich - ganz im Sinne des Documenta-Teams - formale und inhaltliche Motive. Die vorgestellten Kategorien verstehen sich allerdings nicht als offizielles Leitsystem, sondern als Hilfslinien im großen Bedeutungsgeflecht der Documenta 12. Ein Überblick DOCUMENTA 12
Ethnografie des Alltags Inuit, Palästinenser, Kasselaner: Nüchtern werden bei der Documenta im Kleinen große Zusammenhänge analysiert. Um die Lebenswelten lokaler Kulturen zu dokumentieren, sind den Documenta-Künstlern viele Mittel recht: Mit der Fotokamera und mit dem Buntstift, in ausgefeilten Kompositionen und Schnappschüssen wird gleichermaßen der Beweis erbracht, wie schnell die Spurensuche im Privaten zu globalen Wirkungsmechanismen führt. Neben Anpassungszwängen und kultureller Überformung werden Strategien der Selbstbehauptung und Bewahrung demonstriert
J.D. 'OKHAI OJEIKERE betrachtet die Haarpracht der afrikanischen Frauen, die er seit 1968 von der Straße weg fotografiert, als gelebtes kulturelles Gedächtnis: Indem sich die Frauen untereinander in die Frisiertechniken einweisen, wird die Tradition bewahrt. In die Frisurengestaltung geht auch das soziale oder politische Zeit geschehen ein - ineinander geschlungene Zöpfe etwa können einem Versöhnungsakt Ausdruck verleihen. Ojeikere nennt die Frisuren "Skulpturen für einen Tag":
Hingebungsvoll haben die Frauen ihr Haar geflochten, geschneckelt, raffiniert untergliedert und aufgetürmt, und bei der nächsten Haarwäsche geht doch wieder alles verloren. Das Bildarchiv des 1930 in Nigeria geborenen Fotografen, der in Lagos ein eigenes Fotostudio betreibt, setzt den temporären Skulpturen allerdings ein prachtvolles Denk mal.
AHLAM SHIBLI sammelt in scheinbar beiläufig aufgenommenen Fotografien Fragmente des Alltags in Israel lebender Palästinenser ein. Die 1970 in Arab al-Shibli, Palästina, geborenen Autodidaktin nimmt dabei das eigene Familienalbum ebenso in den Blick wie den Alltag junger Palästinenser, die freiwillig in der israelischen Armee dienen. Sie zeigt das improvisierte Leben in zugewiesenen Dörfern wie die Anstrengungen, die eine kulturelle Minderheit unternimmt, um in die Mehrheit aufgenommen zu werden. Die Serie "Arab al-Sbaih", die Shibli in Kassel präsentiert - der Titel ist an ihren Geburtsort angelehnt -, wurde in jordanischen Städten und Flüchtlingslagern fotografiert. Erst in der Zusammenschau der gesammelten Bilddokumente erschließen sich Sinngefüge, aus denen politische Spannung, aber auch Sehnsucht und Hoffnung sprechen.
MARTHA ROSLER nimmt sich in ihren Fotografien, Videos, Installationen, Performances oder auch Texten alltägliche Behaglichkeiten vor - um sie zu stören. Indem sie etwa den privaten Wohnraum durch öffentliche Angelegenheiten torpediert: Bekannt wurde Rosler mit Fotomontagen, in denen sie seit 1967 amerikanische Wohnzimmer mit Bildern aus dem Vietnam- und Irakkrieg durchsetzt hat. Von der Heimeligkeit des Vertrauten wird der Blick so auf hintergründige Mechanismen gelenkt. Die 1943 in New York geborene Künstlerin sucht sich die Giftadern in den Wohngebieten und weist auf das Unbewusste hinter dem Lebensalltag hin. Wenn sie etwa, wie in der Fotoserie, die für die Documenta entstand, eine Flussrenaturierung nordwestlich des Kulturbahnhofs fotografiert und das Kriegsdenkmal in der grünen Karlsaue.
ANNIE POOTOOGOOK führt mit ihren Buntstiftzeichnungen eine von Großmutter und Mutter übernommene Künstlertradition fort: Alle drei Inuit- Frauen erzählen in ihren Bildern Geschichten aus dem Familienleben und ihrem häuslichen Alltag.
Während die 1969 im nordkanadischen Nunavut geborene Annie der Großmutter noch selbst beim Zeichnen zusah, beziehen heutige Inuit-Kinder ihr Wissen um Traditionen zunehmend aus dem Fernsehen (beides wird von der Künstlerin in ihren Zeichnungen dokumentiert). Subtil kommentieren die Illustrationen persönlicher Erfahrungen und Erinnerungen das Leben der Inuit, das sich im Spannungsfeld von Selbstbestimmung und verordneter Anpassung, Verlust und Bewahrung, alten Techniken und neuen Technologien abspielt. Nintendo-Spiel und Robbenjagd sind hier zwei Seiten einer Medaille.
GUY TILLIM hält auf seinen dokumentarischen Fotos aktuelle politische Machtgefüge ebenso wie im Verschwinden begriffene Stammeskulturen fest. Für seine bei der Documenta gezeigte Fotoserie "Congo Democratic" hat der 1962 in Johannesburg geborene Fotograf die Präsidentschaftswahlen im Kongo 2006 begleitet. Politische Ikonografien werden mit gesellschaftlichen Szenerien verschränkt.
Eine Statue des ersten Ministerpräsidenten von Kongo, Patrice Lumumba, wird in Beziehung zu einem Monument aus der Zeit des langjährigen Diktators Joseph Mobutu gestellt, die sich gemeinsam über die Köpfe des Wahlvolks erheben. Der bullige Rücken eines Präsidentschaftskandidaten sagt mindestens ebenso viel wie tausend Gesichter.
ZOE LEONARDS Fotografien sind menschenleer, dokumentieren aber umso intensiver kapitale Erfahrungen gegenwärtigen Lebens. Mit über 400 Ladenfronten, Schaufensterflächen und Geschäftsauslagen, die sie seit 1998 in New York und anderen Großstädten fotografiert, dokumentiert sie, wie der globale Markt den Einzelhandel verdrängt, aber auch, wie sich Imbisse, Kioske und kleine Elektroläden tapfer behaupten:
Während unter einem bereits geweißten "Graham Electronics"- Schild die Rolläden schon auf ewig geschlossen sind, stellt sich "Roger's T.V. Service" dem Globalisierungskampf noch hoffnungsvoll mit dem Angebot "globaler Marken". Auch in Leonards Verfahren wird eine Verdrängung dokumentiert: Allen Digitalkameras dieser Welt hält die 1961 in New York geborene Fotografin ihre analoge Rolleiflex entgegen.
Landnahme Worte und Taten lassen sich im globalisierten Medienzeitalter immer weniger auseinanderhalten.
Die Kriege werden nicht unbedingt mit Panzern und Raketen, sondern auch mit Bildern und Begriffen geführt. Man merkt es an der politischen Sprache, wo immerzu "Themen besetzt" und "Positionen verteidigt" werden. Künstler beschäftigen sich mit der Frage, welche gesellschaftlichen Gruppen und welche kulturellen Vorstellungen auf welche Weise im öffentlichen Bewusstsein "repräsentiert" - das heißt: vertreten - sind. Sie werden zu Feldforschern der medialen Landschaft im 21. Jahrhundert
ANDREA GEYER Die Installationen der 1971 in Freiburg geborenen, in New York lebenden Künstlerin erinnern an Diaschauen oder Seminarvorträge. In Fotodokumenten und Zeitungsausschnitten, die zu längeren Bildsequenzen verbunden werden, behandelt sie ihr Thema:
Politik und deren Repräsentation in der Öffentlichkeit. Wo spielen sich heute gesellschaftliche Konflikte ab? Wie artikulieren Gruppen und gesellschaftliche Minderheiten ihre Forderungen? Welche Rolle spielen die Medien in der Meinungsbildung? Eine ihrer Arbeiten, "Parallax" von 2003, beschäftigt sich mit dem politischen Klima der USA im Vorfeld des Irakkriegs. Demonstrationen gegen den Präsidenten George W.
Bush sind zu sehen. In Kassel wird ihre Fotoarbeit "Spiral Land" über Indianer im Südwesten der USA gezeigt, die ihr Land verloren haben.
YEAL BARTANA Die 1970 in Afula, Israel, geborene Künstlerin hält nichts von schnell konsumierbaren Bildern: In ihren Videoarbeiten sind Filmsequenzen oft quälend verlangsamt, sie werden durch Schnitt und Musik verfremdet und zwingen so zum genauen Hinsehen. Die symbolische Landnahme durch staatlich verordnete Rituale ist ihr wichtigstes Thema. In ihrer bekanntesten Arbeit "Trembling Time" (2001) sieht der Betrachter von einem erhöhten Standpunkt aus eine nächtliche Schnellstraße in Israel. Eben noch fließt der Verkehr, Schnitt, und plötzlich stehen die Fahrer neben ihren Autos und starren in die Nacht. Was wie eine Szene aus einem Spielberg-Film wirkt, hängt in Wirklichkeit mit einem staatlichen Gedenktag zusammen: Traditionell kommt der Verkehr im Land für eine Schweigeminute zum Erliegen.
Bartana untersucht solche Rituale unter der Lupe ihrer Kunst.
BILL KOUÉLANY Geboren 1965 in Brazzaville, Kongo, verbindet die Installationskünstlerin, Malerin und Autorin in ihren Werken die Geschichte ihrer Heimat mit autobiografischen Erfahrungen. In ihren Installationen kommen die Grausamkeiten des Kriegs, der Zorn und die quälende Sinnsuche des Menschen zum Ausdruck.
Kouélanys Installationen sind die gewalttätigen, manchmal zugleich ironischen Übersetzungen ihres inneren Kampfs: Sie zerreißt große Leinwände und fügt sie wieder zusammen, die groben Nähte wirken wie Verstümmelungen, wie Narben, die zusammen halten, was nicht vereinbar scheint. Eingezwängte Figuren, entstellte Körper drängen nach außen. Auf der Documenta 12 zeigt sie eine Rauminstallation mit Pappmachéziegeln aus Zeitungspapier, auf denen vereinzelt noch aktuelle Schlagzeilen zu lesen sind.
KERRY JAMES MARSHALL "Man kann nicht 1955 in Birmingham, Alabama, geboren und in South Central, Los Angeles, direkt neben dem Hauptquartier der Black Panther aufgewachsen sein, ohne eine soziale Verantwortung zu spüren", sagt der Maler Kerry James Marshall über seine biografische Prägung. Seine Bilder zeigen Szenen aus den Lebens- und Leidensgeschichten der Afroamerikaner. Manche davon sind in einem naiven Stil gemalt, sie zeigen Ansichten aus den Armenvierteln in den US-Vorstädten. Dann wieder bedient sich Marshall aus dem Arsenal der überlieferten Ikonografie, zeigt junge Schwarze mit einem Strahlenkranz, der an Heiligenporträts erinnert, oder integriert Elemente aus Comic oder abstrakter Malerei. Dahinter steht das Projekt, eine "schwarze Ästhetik" in der Malerei auszuformulieren.
SIMON WACHSMUTH Wenn man liest, was über die Arbeit des 1964 in Hamburg geborenen und heute in Berlin lebenden Wachsmuth geschrieben wurde, denkt man eher an einen Kunsthistoriker als an einen Künstler. Er "befasst sich seit längerem mit dem kulturellen Konstrukt Natur" lässt seine Galerie verlauten - wenn man so will, betreibt hier der Künstler eine Art ästhetisch durchgearbeitete Form der Kulturwissenschaft.
In Wachsmuths Arbeiten geht es darum, wie sich der neuzeitliche europäische Mensch die Natur angeeignet hat; wie sie vermessen, benutzt, kategorisiert und - in der Malerei - auch romantisiert wurde. Der Künstler vertieft sich lange in die Geschichte dieser Naturkonstruktionen, studiert alte Bücher, Dokumente und Gemälde und verarbeitet Fundstücke zu Installationen, Objekten und Videoarbeiten.
IBON ARANBERRI Der 1969 im baskischen Itziar-Deba geborene Künstler lebt und arbeitet heute in Bilbao, also gewissermaßen im Schatten der von Frank O. Gehry erbauten Guggenheim-Filiale. Das Verhältnis von Politik und Kunst ist sein Thema. Zur Manifesta 4 präsentierte er 2002 in Frankfurt seine Neufassung von Picassos Antikriegsbild "Guernica" - es wirkte leblos, zur Ikone erstarrt und damit wirkungslos.
Zuletzt nahm er an einer Ausstellung im Frankfurter Kunstverein teil, wo er ein seltsames Stillleben aufgebaut hatte:
Alltagsgegenstände, die präsentiert waren wie Beweise bei der Kriminalpolizei. Die Arbeit trug den Titel "Ethnics" - eine Anspielung auf das Baskenproblem und den ETA-Terror. All diese eigentlich harmlosen Gegenstände können für Anschläge und Entführungen verwendet werden.
JUAN DAVILA Die Bilder des 1946 in Santiago, Chile, geborenen Malers zeigen eine durch Kolonisation verwüstete Welt. Davila verließ sein Heimatland Chile 1974 nach der Machtergreifung des Diktators Augusto Pinochet und lebt seitdem in Australien. Aus dieser geografischen Position heraus attackiert er in seinen Bildern auch immer wieder die klassische Kunst der europäischen Moderne, indem er visuelle Versatzstücke westlicher Künstler von Picasso bis Immendorff durcheinanderwirbelt und mit fremden Elementen konfrontiert. Die künstlerische "Landnahme" durch die Dogmen der Moderne wird angeprangert - Malerei als Aufstand gegen den Kolonialismus der Kunst. Europäische Eroberer wie die Australien-Durchquerer des 19. Jahrhunderts, Burke und Wills, zeigt Davila als verwahrloste Barbaren.
MAJA BAJEVIC´ Im Jahr 1991 verließ Bajevic´ ihre Heimatstadt Sarajewo, wo sie 1967 geboren wurde, für ein Kunststudium an der Akademie in Paris. Ende der neunziger Jahre kehrte sie zeitweilig in das vom Krieg zerstörte Bosnien- Herzegowina zurück und befasste sich fortan in ihren Arbeiten mit den Folgen der Erschütterungen, die das ehemalige Jugoslawien nach dem Zerfall erlebt hatte. Ihre bekannteste, auf Video dokumentierte Arbeit "Women at work - under Construction" von 1999 zeigt Frauen in Srebrenica an einem sonst traditionell männlich besetzten Ort - dem Fassadengerüst an einer Baustelle. Sie alle haben Männer im Krieg verloren und weben jetzt - zum Gedenken und als Anklage - traditionelle bosnische Motive in die Stoffverkleidung des Gerüsts hinein. Ein Akt öffentlicher Trauer und symbolischer Landnahme.
AI WEIWEI Der 1957 in Peking geborene Künstler und Architekt ist schon äußerlich eine barocke Erscheinung. In der chinesischen Kulturszene hat er bereits den Status eines Übervaters.
Von 1981 bis 1993 hatte er in den USA gelebt, dann kehrte er in Chinas Hauptstadt zurück und machte sich mit riesenhaften, meist aus Holz gefertigten Skulpturen sowie kühnen architektonischen Entwürfen einen Namen. Ai Weiwei war 2000 Mitkurator der legendären Underground-Ausstellung "Fuck Off", er arbeitete mit den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron am neuen Pekinger Olympiastadion, und er entwarf für den Luzerner Urs Meile ein beeindruckendes Galeriegebäude in Peking. Zur Documenta 12 wird er 1001 Chinesen für einige Wochen nach Kassel einfliegen; sie sollen sich dort umsehen und ihre Eindrücke formulieren - der tägliche Kulturschock als künstlerisches Experiment.
Stoff und Gewebe tauchen in den Werken vieler Documenta-Künstler auf, mal als Rohstoff für die Herstellung dramatischer Couturekleider oder farbiger Stoffcollagen, mal als blütenweißes, abstraktes Objekt mit eingewebtem Erinnerungsfaktor. Während Cosima von Bonin mit ihren genähten Stoffobjekten Künstler wie Sigmar Polke oder Rosemarie Trockel zitiert, beschwört der russische Künstler Dmitri Gutow mit seinem Zaun aus filigranem Metallgewebe die Schriften von Karl Marx. Stoff steht hier also nicht nur für seine bloße Materialität, sondern ist auch Symbol für formale und inhaltliche Verflechtungen
OUMOU SY entwirft aus traditionellen afrikanischen Textilien, Federn, Perlen und Brokatstoffen dramatische Roben. Die in Podor am Fluss Senegal geborene Senegalesin gilt als bekannteste afrikanische Modeschöpferin.
Ihr Atelier befindet sich im Herzen Dakars, einem der wichtigsten Zentren der afrikanischen Textilindustrie. Ihre Kreationen haben längst die Aufmerksamkeit der westlichen Kunstwelt geweckt. So wurden ihre Kollektionen auf der Expo 2000 in Hannover, im Pariser Louvre, am Broadway in New York und in Hamburgs Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert. Neben ihrer künstlerischen Arbeit engagiert sich Oumou Sy für soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte. Sie gründete in Dakar eine Modeund Designschule und eröffnete dort "Métissacana", das erste Internet-Café. Das macht sie zur modernen Leitfigur im krisengeschüttelten "Schwarzen Kontinent".
ABDOULAYE KONATÉ nimmt in riesigen Installationen und Stoffcollagen Bezug auf die politische und wirtschaftliche Situation seines Landes. Der 1953 in Mali geborene Künstler studierte Malerei in Mali und Kuba und arbeitete zunächst als Grafikdesigner am Nationalmuseum in Malis Hauptstadt Bamako. Seine großformatigen Stoffarbeiten greifen traditionelle Handwerkstechniken auf, etwa die Näharbeiten der Frauen in Mali, und thematisieren aktuelle Probleme wie die Aids-Epidemie oder Dürrekatastrophen in der Sahelzone. Andere Arbeiten feiern Malis reiche Musiktradition. Konaté war an der vielbeachteten Ausstellung "Afrika Remix" beteiligt, die zwischen 2004 und 2006 in Düsseldorf, London, Paris und Tokio zu sehen war. 2002 erhielt er die französische Kulturauszeichnung "Chevalier dans l'ordre des Arts et des Lettres".
LILI DUJOURIE ist am ehesten für ihre frühen Videoarbeiten bekannt. Die belgische Künstlerin, die 1941 in Roeselare geboren wurde, gehört zu den Pionieren des elektronischen Mediums. In tonlosen Schwarzweißaufnahmen filmte sie sich selbst, nackt im Bett, sich auf weißem Laken räkelnd oder angezogen am Fenster stehend - eine Reminiszenz an klassische Gemäldekompositionen. Das Motiv zerknüllter, dekorativ gefalteter Stoffe griff Dujourie in einem späteren, installativen Werkzyklus noch einmal auf. Sie zeigte schneeweiße Faltenwürfe in schwarz lackierten Stahlkästen. Die scheinbar weichen Stoffstücke, die an verlorene Taschentücher erinnern, sind aus Gips (auf Holz) geformt. Auf der Documenta zeigt sie Wandskulpturen aus Draht, die mal Papierstreifen, mal Kreidezeichnungen ähneln.
DMITRI GUTOW zählt zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen russischen Kunst. Der Maler, Installationsund Videokünstler, der 1960 in Moskau geboren wurde, beschäftigt sich in seinem Werk mit der marxistischen Ästhetik der Sowjetunion der dreißiger Jahre. Dabei bezieht er sich besonders auf die Schriften des marxistischen Philosophen Michail Lifschitz (1905 bis 1983), er hat Lese- und Diskussionsgruppen organisiert und in Moskau das Lifschitz-Institut gegründet.
In Kassel zeigt Gutow eine Art Zaun aus filigranem Metallgewebe mit Schriftfragmenten und Kritzeleien. Inspiriert wurde der Künstler dabei von den improvisierten Einzäunungen wilder Schrebergärten in Russland. Die kalligrafischen Schnörkel stammen aus Schriften von Karl Marx, darunter auch eine Seite aus dessen Manuskript für "Die deutsche Ideologie".
COSIMA VON BONIN Ihren Werken haftet bei aller Konzeptualität immer auch etwas rührend Handgemachtes an: Die riesigen Pilze sind aus gemustertem Stoff genäht, die Krake besteht aus grauem Filz, ihre Fangarme enden in glänzenden Glaswindungen. Die in Köln lebende Künstlerin, die 1962 in Kenia geboren wurde, beschäftigt sich in ihren Installationen und Stoffbildern immer wieder mit Konsum- und Kunstkritik. Dabei zitiert sie Künstler wie Blinky Palermo, Sigmar Polke und Rosemarie Trockel, die ebenfalls Textilien in ihrem Werk verarbeiten. Auf der Documenta 12 zeigt Cosima von Bonin neben überdimensionierten Stofftieren auch eine Serie großformatiger Textilbilder mit scherenschnittartigen Mustern von Rorschach-Tests, die als weiße Silhouetten auf geometrisch gemusterte Stoffe appliziert worden sind.
GARTENTEPPICH Eines der ungewöhnlicheren Objekte dieser Documenta ist ein um 1800 entstandener Teppich aus dem Nordwesten Persiens. Das über acht Meter lange Textilkunstwerk zeigt aus der Vogelperspektive eine orientalische Gartenanlage mit Wasserkanälen, Blumenbeeten und Fischdarstellungen. Details wie Wellenmuster oder Bäume sind schematisiert ausgeführt.
Solche "mobilen Gärten" waren früher hoch begehrt und sind heute extrem rar. Das Documenta- Exemplar kommt aus der Sammlung des Museums für Islamische Kunst in Berlin. Mit seiner abstrahierten Formsprache verweist der zirka 200 Jahre alte Teppich auf Entwicklungen der modernen Kunstgeschichte.
Gleichzeitig steht er für anonyme Autorenschaft, die keinen Unterschied zwischen Kunst und Kunsthandwerk macht.
Der politische Körper Darstellungen des menschlichen Körpers nehmen in der Kunstgeschichte eine zentrale Rolle ein. Neben klassischen Porträts, die als Spiegel der Persönlichkeit fungieren, wurde der Körper immer wieder als Symbol für religiöse Verzückung, Schmerz oder Tod gesehen. Auch bei der Documenta setzen viele Künstler den menschlichen Körper bei ihren Arbeiten ein, weniger in traditionellen Techniken wie der Malerei, sondern in Performances, Videoarbeiten und Fotoinstallationen.
Dabei wird das Private öffentlich, die Nacktheit zum Protest und der Körper zum politischen Instrument
INES DOUJAK veranstaltet "Heimatabende" in der österreichischen Provinz, bei denen sie Überlebende des Konzentrationslagers Ravensbrück in einem Video zu Wort kommen lässt, oder gestaltet einen Fest wagen auf der schwul-lesbischen "Regenbogen- Parade" in Wien. In ihren Fotos, Installationen und performativen Arbeiten beschäftigt sich die 1959 in Klagenfurt geborene Künstlerin mit Fragen gesellschaftlicher und sexueller Normierung. Dabei spielt der menschliche Körper im Spiegel klischeehafter medialer Sehgewohnheiten eine wesentliche Rolle, etwa wenn sie im Salzburger Kunstverein Fotoworkshops und Modenschauen mit Seniorinnen veranstaltet ("Dirty Old Women", 2005), oder in der Wiener Secession heterosexuelle Verhaltensmuster in Frage stellt.
Der provozierende Titel dieser Einzelausstellung von 2002: "Vater Arsch".
SANJA IVEKOVIC´ ließ sich 1979 auf ihrem Balkon beim Lesen, Schnapstrinken und Onanieren fotografieren - private Schnappschüsse, die zur politischen Performance wurden, weil gerade Jugoslawiens Präsident Tito mit Staatskarosse und militärischem Geleit durch die Straßen fuhr. Die Künstlerin, 1949 in Zagreb geboren, bekam sofort Besuch vom Staatsschutz, der das ungebührliche Verhalten von seinen Beobachtungsposten auf den Dächern verfolgt hatte. Die Fotodokumente dazu sind nun auf der Documenta zu sehen. Ivekovic´ zählt heute zu den bedeutendsten Künstlerinnen Kroatiens. In Kassel plant sie auch eine urbane Intervention: Auf dem Friedrichsplatz säte sie roten und weißen Mohn als Bild der Schönheit, des Todes und des Friedens - in angelsächsischen Ländern werden die Gräber getöteter Soldaten traditionell mit Mohn bepflanzt.
XIE NANXINGS hyperrealistische, meisterlich gemalte Bilder von gefolterten, nackten Körpern beeindruckten schon 1999 das Biennale-Publikum in Venedig. Der 1970 in Chongqing in der chinesischen Provinz Sichuan geborene Künstler hat sich inzwischen auf diffusere Bildkompositionen verlegt.
Die oft großformatigen Gemälden basieren auf hochvergrößerten Fotos und körnigen Videobildern.
Die Schockwirkung der mysteriösen Darstellungen wird durch die elegante Technik noch erhöht. Assoziationen zur Willkür des chinesischen Überwachungsund Polizeistaats drängen sich auf. Nanxing, der heute in Peking und Chengdu lebt und nur drei bis vier Werke jährlich malt, begreift seine Arbeit aber auch als künstlerische Reflexion über Malerei als Form umfassender Wahrnehmung.
TSENG YU-CHIN konzentriert sich in seinen Videoarbeiten auf psychologische Innenwelten. Seine erzählerischen Filmsequenzen beobachten Menschen bei alltäglichen, scheinbar intimen Handlungen und lösen beim Betrachter Gefühle wie Scham, Trauer und Ambivalenz aus. Kinder und deren unschuldiger Spieltrieb spielen eine zentrale Rolle. In der Videoarbeit "Who is listening?" zeigt der taiwanesische Künstler in einer Szene Kindergesichter, die mit einer milchigen Flüssigkeit übergossen werden, in einer anderen wälzt sich ein halbnackter Junge mit einer Frau im Bett herum. Die Bewegungen schwanken zwischen mütterlicher Fürsorge und sexuellem Spiel.
Tseng Yu-Chin, geboren 1978 in Taipei, zählt das europäische Kino zu seinen Einflüssen; ihn interessiert, "wie Leben und Video sich spiegeln". Der Film "Who is listening?" wurde 2004 mit dem Taipei Art Award prämiert.
ZOFIA KULIK formt aus Schwarzweißfotografien komplexe Collagen, die man zunächst als mandalahafte Ornamente wahrnimmt. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich die wiederkehrenden Muster als menschliche Körper in grotesken Verdrehungen. In großformatigen Fotoserien mit Titeln wie "Menschenmotiv" oder "Symbolische Waffe" kombiniert die polnische Künstlerin, die 1947 in Breslau geboren wurde, Porträts, Gewaltszenen, Landschaftsbilder, Architektur und Militärfotos. Kulik studierte in den sechziger Jahren Bildhauerei an der Akademie der Schönen Künste in Warschau und arbeitete von 1971 bis 1987 unter dem Namen "KwieKulik" mit dem Bildhauer Przemyslaw Kwiek zusammen. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Künstlerinnen Polens und wurde zu großen Ausstellungen in Amsterdam, Berlin, Paris und zur Biennale in Venedig eingeladen.
JO SPENCE machte ihre Krankheit zur politischen Performance. Die britische Fotografin (1934 bis 1992) dokumentierte in schonungslosen Selbstporträts ihre Brustkrebserkrankung. Dabei zeigte sie nicht nur die entmündigende Prozedur der Mammografie oder die entstellenden Resultate ihrer Krebsoperation. In inszenierten Fotoserien kommentierte sie mit Witz und Ironie den von Männern geprägten Blick auf den nackten weiblichen Körper. Spence gilt als zentrale Figur der feministischen Debatte über Fotografie und Repräsentationskritik. Auch was ihre Krankheit anging, entschied sich die Künstlerin für einen systemkritischen Weg. Statt weiterer Strahlen- und Chemotherapien versuchte Spence, sich mit traditioneller chinesischer Medizin zu heilen. Ihre künstlerische Arbeit betrachtete sie zu bis ihrem Tod als "Fototherapie".
Form und Formel Etliche Documenta-Positionen greifen zurück auf die Spielarten der Abstraktion, die im Zuge der Moderne entstanden sind. Vor allem die Geometrie hatte es den Künstlern angetan - die klare Ordnung verhieß das große, gesellschaftliche Glück. So laufen die Traditionslinien vom Bauhaus hin zur amerikanischen Minimal Art und den ironisch gebrochenen Glanzstücken von John McCracken.
Auch abseits der Zentren und Hauptstraßen der Kunst wurde Roger M. Buergel bei seinen Forschungen zur "Migration der Form" fündig - wie Beispiele aus Osteuropa und Lateinamerika belegen
BE? LA KOLÁR? OVÁ experimentiert seit den frühen sechziger Jahren mit Materialassemblagen und konzeptueller Fotografie. Die tschechische Künstlerin, geboren 1923 in Terezín, gehörte der Künstlergruppe Krizovatka (Kreuzung) an. In ihren frühesten Arbeiten "zeichnete" sie Lichtkreise auf Fotopapier, später fotografierte sie rhythmisch arrangierte Alltagsobjekte, Eierschalen, Obstkerne, Porzellanscherben oder Stahlspäne, und formte Zeichen aus ihrem eigenen Haar. Bei ihren Formspielen ließ sie sich von Avantgardekünstlern wie Marcel Duchamp und Man Ray beeinflussen. Lange stand ihr Werk im Schatten ihres berühmteren Ehemanns, dem tschechischen Künstler und Schriftsteller Jirí Kolár? (1914 bis 2002), der bereits 1968 auf der Documenta 4 vertreten war. Kolárovás Werk wurde in den neunziger Jahren wiederentdeckt.
CHARLOTTE POSENENSKE gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der deutschen Minimal Art der sechziger Jahre. Für ihre stark auf Architektur bezogenen, geometrischen Objekte und Skulpturen verwendete die in Wiesbaden geborene Künstlerin (1930 bis 1985) industrielle Materialien wie Alublech, Rohre, Pappe oder Pressspanplatten. Im Aue-Pavillon wird "Drehflügel", ein begehbarer, quadratischer Raum mit vier Drehtüren - eine ihrer letzten Arbeiten - gleich dreimal zu sehen sein. Hinter der nüchternen Konstruktion verbirgt sich auch ein soziales Experiment. Documenta- Besucher, die die Schwingtüren durchschreiten wollen, müssen sich bei der Benutzung miteinander abstimmen. Posenenske kehrte der Kunstwelt 1968 den Rücken und arbeitete bis zu ihrem Tod als Soziologin.
LUIS SACILOTTO rief in den fünfziger Jahren in Brasilien mit gleichgesinnten Künstlern eine Bewegung Konkreter Kunst ins Leben. Die "Grupo Ruptura" versuchte, in ihre abstrakten Farb- und Formkompositionen industrielle Produktion und Massenkommunikation zu integrieren. Beeinflusst wurden die brasilianischen Konkreten von Künstlern wie Max Bill, dem Rektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung, der die Kunst in den Dienst formschönen und funktionalen Designs stellte. Der in São Paulo geborene Maler und Bildhauer (1924 bis 2003) hatte sich bereits in seinem Frühwerk am Kubismus und Werken von Piet Mondrian orientiert. Seine späteren dynamischen Streifenbilder erinnern an die europäische Op Art. Sacilotto war in bedeutenden Ausstellungen wie der São-Paulo-Biennale und der Guggenheim-Schau "Brazil" vertreten.
JOHN MCCRACKEN "West-Coast- Minimalismus" beschreibt die Arbeiten des in New Mexico lebenden Bildhauers ganz treffend: Seine leuchtend farbigen Objekte wirken wie eine leichtere, sinnlichere Version der geometrischen Abstraktionen der Minimal Art von Carl Andre oder Donald Judd. Anders als die beiden baut John McCracken (Jahrgang 1934) seine Sperrholz- und Fiberglaskörper ausschließlich selbst und schleift und poliert ihre Oberflächen immer wieder, bis sie strahlend glänzen. Kein Selbstzweck: "Idealerweise zielen sie darauf ab, das Ephemerste alles Abstrakten zu spiegeln, den reinen Gedanken", sagt McCracken.
MIRA SCHENDEL 1949 kam Mira Schendel in Brasilien an, mit einem Ausweis als "Displaced Person", eine 1919 in der Schweiz geborene Jüdin, die nach Studienjahren in Mailand in die Mühlen von Krieg und Verfolgung geraten war. In Lateinamerika fand sie einen Neuanfang, wandte sich der Dichtung zu, unterrichtete Malerei, bekam Kontakt zum Kreis der brasilianischen Moderne um Lygia Clark und Hélio Oiticica, die damals intensiv mit den Formen geometischer Abstraktion experimentierte.
Mira Schendel trat mehrmals auf der São- Paulo-Biennale auf, zeigte große Blätter mit Buchstaben, fragile Schriftarbeiten, zwischen Acrylplatten gepresste Zeichnungen von großer Schönheit, inspiriert von Zen-Buddhismus und chinesischer Kalligrafie. Mira Schendel starb 1988 in São Paulo.
FLORIAN PUMHÖSL ist ein Formarchäologe, der die Wanderungsbewegungen und Wirkungen von Gestaltungsmustern über Kontinente und Zeiten verfolgt, deutet und sichtbar macht.
Der 1971 geborene Wiener Künstler untersucht in strengen Hinterglasmalereien das geometrische Vokabular der Moderne, schichtet Betonskulpturen im Stil der sechziger Jahre oder arrangiert eine kostbare präkolumbische Spitze auf alpenländischem Loden. Solche feinen Gewirke sammelte die Textilkünstlerin Anni Albers, die weniger bekannte Frau des Bauhaus-Meisters Josef Albers, bei ihren Reisen durch Lateinamerika, die sie von ihrem Exil in den USA nach 1936 immer wieder unternahm. So fanden die magischen traditionellen Muster Eingang in die kühl-europäisch geprägte Formenwelt des Bauhauses.
AGNES MARTIN war eine Grande Dame der amerikanischen Nachkriegskunst - und doch eine ewige Einzelgängerin und Künstlerphilosophin. 1912 in Kanada geboren, studierte sie in New York und erlebte prägende Jahre in der Wüste New Mexicos, wohin sie immer wieder zurückkehrte. Schon früh fand Agnes Martin, die zu dem Künstlerkreis um Barnett Newman, Mark Rothko, Jackson Pollock und Ad Reinhardt gehörte, zu dem Linienraster als ihrer ganz persönlichen Form, die sie in unendlichen Variationen durchspielte. So wurde sie auch zu einem wichtigen Bezugspunkt von Minimal Art und Konzeptkunst der jüngeren Generation. Bei Martin, die 2004 gestorben ist, bleibt die Handschrift immer spürbar: "Man muss das Ideale in seinem eigenen Inneren sehen. Es ist wie eine Erinnerung an die Vollkommenheit."
Symbol des Todes: Sanja Ivekovic lässt vor dem Fridericianum Mohnblumen blühen
Tracht und Pracht: J. D. 'Okhai Ojeikeres "Frisuren"-Fotografie (1974)
Alltag im politischen Spannungsfeld:
Fotografie "No. 12" aus Ahlam Shiblis "Arab al-Sbaih"- Serie (2007)
Historisierende Spurensuche in der Documenta-Stadt: Fotografien aus Martha Roslers aktueller Kassel-Serie (2007)
Camping mit der Familie:
Annie Pootoogooks autobiografische Buntstiftzeichnung "Family In Tent" (2003/04, 66 x 102 cm)
Jean-Pierre Bembas breite Schultern: Foto aus Guy Tillims "Congo Democratic"-Serie (2006)
Globale Marken, hausgemacht: ein abgetragener Amerika-Pullover ...
... und eine Coca-Cola-Bude. Zoe Leonards "Analogue"-Serie (seit 1998)
Ein einzelner Demonstrant fordert ein Amtsenthebungsverfahren ("Impeachment") gegen Präsident George W. Bush: Still aus "Parallax" (2003)
In der Videoinstallation "You could be lucky" (2004/06) beobachtet Bartana die britische Oberschicht während eines Pferderennens
Nähte wie Verstümmelungen:
"Beautés afriques 4" (2004)
"Lost Boys: AKA Lil Bit" (1993, 66 x 67 cm)
Die vermessene Natur:
Videostill aus der Arbeit "0,7" (2004)
"Campfire Girls" (1995, 262 x 290 cm)
"Scout (Boy)" (1993, 91 x 91 cm)
Beweisstücke als Stillleben: die Installation "Ethnics" von 1999
"Der Arsch der Welt" (1994, 240 x 305 cm)
Öffentliche Trauer auf der Baustelle: Still aus der Videoarbeit "Women at work - under Construction" aus dem Jahr 1999
China in Eisenholz: Für "Landkarte von China" (2006) verwendete Ai das Holz aus einem Qing-Tempel, der abgerissen wurde
Design statt Ethnokitsch: Entwurf eines Schülers der Modeschöpferin Oumou Sy beim Karneval der Mode in Dakar (2001)
Stoffbilder mit ernstem Hintergrund:
Konatés Materialcollage "L' intolérance" (1998, 228 x 400 cm) erinnert an die Aids-Epidemie
Zerknüllt und dekorativ:
Lili Dujouries erstarrter Faltenwurf aus Holz und Gips "Cabinet B VII" (1992,171 x 30 x 45 cm)
Marxistische Schnörkelkunst:
Gutows Metallzaun "German Ideology" (2007)
Anrührend handgemacht: Cosima von Bonins Krakenobjekt: "Seasons in the Abyss" (2006)
Blühender Garten aus der Vogelperspektive: persischer "Gartenteppich" (um 1800, 291 x 879 cm)
Gegen sexuelle Normierung: o. T. (2007), Foto aus Ines Doujaks Werkzyklus für die Documenta 12
Private Körperspiele als politische Provokation: zwei Bilder aus der vierteiligen Fotoarbeit "Triangle" (1979) von Sanja Ivekovic´ (oben)
Lässt an Folteropfer denken: Xie Nanxings mysteriös wirkendes Ölgemälde ohne Titel (Nr. 1) von 2002 (150 x 385 cm)
Anzüglichkeit oder harmloses Spiel: Stills aus Tseng Yu-Chins Video "Who is listening?"
Menschliches Mandala: Zofia Kuliks Fotocollage "Land-escape" (2001, 182 x 152 cm) besteht aus neun einzelnen Bildtafeln
Fototherapie gegen Brustkrebs: Die Künstlerin Jo Spence machte in Werken wie "Narratives of Dis-ease" (1990) ihre Krankheit zum Thema
Formspiele mit Alltagsdingen: Die Künstlerin Be la Kolárová arrangierte Metallspäne für das Foto "Znaky" (1964, 23 x 29 cm)
Deutscher Minimalismus: Charlotte Posenenskes "Vierkantrohre Serie DW" (1967) aus Wellpappe
Brasilianische Op Art:
Luis Sacilottos Gemälde "Concreção 9347" (1993, 90 x 70 cm)
Spiegelung von Gedanken:
John McCrackens Schau "Early Sculpture", 2005 in der Galerie Zwirner & Wirth, New York
Asiatische Formen aus Lateinamerika: eine titellose Arbeit aus Mira Schendels Serie der "Mandalas" (1975, 27 x 27 cm)
Pumhösl: "Ohne Titel (Katzengesichter mit erhobenen Armen)" (2004, 92 x 121 cm)
Rastermacht: Agnes Martins "Organ Note" (1962, 30 x 24 cm)
