Ausgabe: 07 / 2007
Seite: 18

Eine Torte für das Tortenstück

Von

E-MAIL-INTERVIEW

Geheimaktion im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main: Der italienische Künstler Maurizio Cattelan durchsetzt das Haus mit dem Spitznamen "Tortenstück" bis zum 23. September mit neuen Arbeiten, die den Besuchern weder angekündigt noch erklärt werden. art-Korrespondentin Sandra Danicke hat versucht, der Sache auf den Grund zu gehen:

Herr Cattelan, Sie haben einmal gesagt, Identität werde überbewertet; und man erzählt sich, dass Sie Telefon-Interviews manchmal gar nicht selbst beantworten. Wie kann ich sicher sein, dass Sie es sind, der auf die Mails antwortet?

Also in dem Fall halte ich es mit Novalis, der gesagt hat: "Manchmal kann es sinnvoll sein, dass alles einen flüssigen Aggregatzustand annimmt, um neue und notwendige Mischungen hervorzubringen und sich zu einer neuen, reineren Kristallisation zu verfestigen." Glauben Sie nicht?

Novalis hat die produktive Verquickung von Kunst und Wissenschaft gemeint. Das bezieht sich aber nicht notwendigerweise auf multiple Persönlichkeiten oder Identitäten. Wie dem auch sei:

Kann ich also annehmen, dass die Arbeiten, die Sie für das MMK entworfen haben, in Teamwork entstanden sind?

Wahre Freundschaft ist wechselseitig!

Apropos Kristallisation: Für das MMK haben Sie einen Tisch mit einem Schokoladenkuchen entwickelt, der durch die Wand ragt.

Handelt es sich um das Ergebnis eines chemischen Prozesses?

Ich ziehe es vor, Dinge zu konstruieren, anstatt sie zu zerstören.

Der Tisch ist eine Mischung aus Außenskulptur und Museumsexponat.

Ist das Ihre Strategie, um Eindeutigkeiten zu vermeiden?

Ist Eindeutigkeit interessant? Die Welt wird nicht untergehen, weil es zu wenig Wunder gibt, sondern weil sie nicht bereit ist für Rätsel.

Warum haben Sie Ihre Skulpturen Stück für Stück ins Museum gebracht? Mögen Sie keine Eröffnungen, Schnittchen und Reden?

Sie müssen wissen: Ich nehme das als Diät - weniger ist manchmal mehr.