Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 92
Kühne Entwürfe für die Elite
Von Almuth Spiegler
Werkschau des österreichischen Designers und Malers im Leopold-Museum WIEN: KOLOMAN MOSER
Kaum glaubt man es: Seit 1979 war über einen der bedeutendsten Wiener Jugendstilkünstler keine umfassende Ausstellung mehr zu sehen. Dabei kann gerade mit dem ungewöhnlich vielfältigen Werk von Koloman "Kolo" Moser (1868 bis 1918) exemplarisch die Wiener Moderne gefasst werden - was das Leopold-Museum jetzt beabsichtigt, und zwar so umfangreich wie noch nie.
Rund 500 Exponate ordnete Kurator Gerd Pichler dafür chronologisch Kapiteln zu.
Zum einen die angewandte Kunst - Moser gestaltete alle möglichen Gegenstände des täglichen Lebens von der silbernen Teekanne bis zu kompletten Wohnungseinrichtungen mit Möbeln, Tapeten, Vorhängen Vasen und Lampen. Zum anderen das malerische Werk von den frühen Illustrationen, mit denen Moser sich während des Studiums über Wasser hielt, bis zu den farblich fast schon grellen Gemälden der Spätzeit.
Sehr spät wurde es für ihn allerdings nicht: Der für seine Kühnheit bekannte Grafiker, Maler und Kunsthandwerker starb, mit erst 50 Jahren, an Krebs. Überhaupt war 1918 ein schwarzes Jahr für die Wiener Moderne - Otto Wagner, Egon Schiele und Gustav Klimt waren zu betrauern.
Mit Klimt verband Moser eine lange Freundschaft, gemeinsam hatten sie 1897 die Wiener Secession gegründet.
Gemeinsam trat die "Klimt-Gruppe" 1905 dann auch wieder aus. Einer der Gründe dafür war der Richtungsstreit, ob Kunsthandwerk in Ausstellungen eingebunden werden sollte oder nicht. Zwei Jahre zuvor hatte Moser mit Josef Hoffmann und dem Finanzier Fritz Waerndorfer die "Wiener Werkstätte" (WW) gegründet. Er kam so seinem Ideal, das alltägliche Leben völlig mit hochwertiger Kunst zu infiltrieren, um einiges näher - die musste man sich allerdings erst einmal leisten können: Das aufwändige Design der WW hatte seinen Preis.
Als Gegenbeispiel zu Mosers elitären Gesamtkunstwerken zeigt Pichler unter anderem eine Briefmarkenserie für Bosnien- Herzegowina von 1906. "Dafür verwendete Moser statt der sonst üblichen Kaiser-Porträts erstmals Bilder von Kulturlandschaften und Städten", so Pichler.
"Dadurch wurde das kulturelle Erbe für die Allgemeinheit bildwürdig."
Termin: 25. Mai bis 10. September. Katalog: Prestel Verlag, 29,90 Euro, im Buchhandel 65 Euro.
Internet: www.leopoldmuseum.at
