Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 97

Mit festem Blick auf die Zukunft

Von Manfred Schwarz

Die Kulturhauptstadt Luxemburg feiert sich mit einer Großausstellung in Trier TRIER: KONSTANTIN DER GROSSE

Diese Augen sind nicht auf die Welt gerichtet. Starr und riesengroß blicken sie in eine unbestimmte Ferne. Es ist ein machtvoller Blick - der Blick eines Herrschers, der jedem menschlichen Maß entrückt ist. Mit diesen aufs Transzendente, aufs Überweltliche gerichteten Augen beginnt ein neues Zeitalter. Unter Konstantin dem Großen (um 275 bis 337) kündigt sich der Aufstieg des christlichen Abendlandes an und das Ende der Antike.

Dass man nun in Trier der Gewalt dieses Blickes begegnen kann, verdankt man einem immens aufwändigen, wohl ebenfalls epochalem Ausstellungsprojekt:

Im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms von Luxemburg und Großregion wird die ehemalige Kaiserresidenz Trier wieder zum Schauplatz großer Ereignisse.

Drei Ausstellungshäuser haben sich zusammengeschlossen, um ein Zeitalter besichtigen zu lassen, welches die wesentlichen Fundamente legte für die europäische Geschichte. Zu den Höhepunkten der Schau zählt eine originalgetreue Kopie des monumentalen Marmorkopfes mit den starrenden Augen Konstantins - er gehörte einst zu einer über zwölf Meter hohen Kolossalstatue, deren Fragmente heute in den Kapitolinischen Museen in Rom aufbewahrt werden.

Mit der Herrschaftszeit Konstantin des Großen, der von 306 bis 316 auch in Trier residierte und dort viele Zeugnisse hinterlassen hat, begann die allmähliche Durchsetzung des christlichen Glaubens als Staatsreligion im spätantiken Kaiserreich.

Durch sein Bekenntnis zum Christengott, der ihm bei der Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom (312) ein Siegeszeichen gesandt haben soll, geht Konstantin überdies als erster christlicher Glaubenskrieger in die Geschichte ein.

Eine welthistorisch folgenreichere, zu gleich auch umstrittenere Figur lässt sich kaum denken. Gilt er den einen als Erleuchteter, so schmähen ihn anderen als denjenigen, der das römische Weltreich verriet und ruinierte: als "Egoist im Purpurgewand", so der Historiker Jacob Burckhardt, der aus reinem Machtkalkül den christlichen Glauben förderte und mit sultanischer Pracht, ja Grausamkeit herrschte. So umfangreich wie nie zuvor werden nun mit rund 1500 Objekten die Trierer Ausstellungen diese welthistorische Wendezeit, die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen, die wegweisende Kunst- und Mythenproduktion an drei Orten beleuchten: im Rheinischen Landesmuseum das zentrale Kapitel "Herrscher des Römischen Imperium", im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum "Der Kaiser und die Christen" und im Städtischen Museum Simeonstift "Tradition und Mythos".

Termin: 2. Juni bis 4. November. Katalog: Verlag Philipp von Zabern, 24,90 Euro, im Buchhandel (mit Eintrittskarte) 34,90 Euro.

Internet: www.konstantin-ausstellung.de/, www.landesmuseum-trier.de/, www.museum.bistum-trier.de/, www.museum-trier.de/