Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 127
Bürgermeisterin bleibt auf Kurs
Von Susanne Altmann
Architektur: Gezerre um Warschauer Museumsbau
Warschau leistet sich ein neues Museum für Gegenwartskunst. Im Herzen der Stadt, neben dem stalinistischen Turm des Kulturpalasts, soll es errichtet werden. Doch derzeit erschüttert ein handfester Skandal die Planung.
Vor einigen Monaten kürte eine internationale Jury unter 109 Vorschlägen als Wettbewerbssieger den Entwurf des Schweizer Architekten Christian Kerez. Wenige Tage nach Bekanntgabe des Resultats distanzierte sich Tadeusz Zielniewicz, Direktor des Museums und Jurymitglied, von der Entscheidung und trat von seinem Posten zurück. In einem polemischen Statement erklärte er, der Gewinner entspräche nicht seinen Vorstellungen. "Möglich, dass meine Sichtweise nicht avantgardistisch genug ist", ließ Zielniewicz verlauten und kündigte an, nun für die von ihm favorisierte Museumsidee zu kämpfen: einen vom finnischen Büros ALA gemeinsam mit polnischen Architekten und dem Warschauer Künstler Jaroslaw Kozakiewicz erdachten Entwurf. Anders als Christian Kerez' minimalistischer Bau mit skulpturalem Innenleben, setzten die Finnen auf Spektakel:
Ihr Modell zeigt eine Blasenkonstruktion mit glänzender Außenhaut. Die Jury verlieh ihnen einen Ehrenpreis, hielt das Gebäude aber für unrealisierbar.
Ex-Museumschef Zielniewicz aber mobilisierte die Öffentlichkeit, und bald stellte sich der Museumsbeirat gegen den Wettbewerbsausgang.
Dann legte auch Anda Rottenberg, Grande Dame der polnischen Gegenwartskunst und geistige Mutter des Museums, des Gezerres überdrüssig ihr Amt als Beiratsvorsitzende nieder.
Doch Hanna Gronkiewicz- Waltz, couragierte Bürgermeisterin Warschaus, lässt sich von dem Wirbel nicht abschrecken.
Sie will den Siegerbau realisieren und damit auch die Seriosität des Wettbewerbs demonstrieren. Ein rascher Baubeginn ist auch ratsam, weil das künftige Ausstellungshaus zu großen Teilen aus Geldern des EU-Strukturfonds finanziert wird, die zum Jahreswechsel verfallen würden. Zuvor muss freilich ein neuer Direktor berufen werden. Oder eine Direktorin.
Unter den Namen, die kursieren, ist auch der von Anda Rottenberg.
