Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 122

Görlitzer Zwickmühle

Von Susanne Altmann

Museen: Spezielle Leihgaben aus Polen sind nicht möglich

Jasper von Richthofen steckt in einem Dilemma. Der Direktor des Kulturhistorischen Museums in Görlitz kooperiert hervorragend mit seinen polnischen Museumskollegen. Trotzdem muss er auf spezielle Leihgaben aus Polen verzichten, will er das gute Klima nicht gefährden. Denn diese Kunst werke, die sich vor 1945 im Görlitzer Besitz befanden, müssten an der Grenze von den deutschen Behörden als Nationaleigentum beschlagnahmt werden.

Es handelt sich um Schlüsselwerke der Görlitzer Sammlung, die während der Kriegswirren östlich der Neiße ausgelagert und später vom polnischen Staat einbehalten wurden. Viele davon sind heute in Museen in Warschau, Breslau, Posen oder Krakau aus gestellt.

Ihre Herkunft ist zwar klar, aber ernsthafte Rückführungsverhandlungen gibt es nicht.

Der Konflikt, so meint Richthofen, würde auf dem Rücken jener grenznahen Museen ausgetragen, die ihren Bestand verloren und diesen gern - wenn auch nur leihweise - mal zeigen wollen.

Zu dem sind einige der verlorenen Stücke in private Hände gewandert und tauchen jetzt auf dem internationalen Markt auf.

So wurde den Görlitzern 2006 aus obskuren Quellen eine Handschrift angeboten. Die "Glossa Ordinaria", ein um 1467 verfasster Bibelkommentar, gehörte einst zum Kirchenschatz der Peterskirche. Das Buch wurde in einem New Yorker "Russenviertel" zu rück gekauft. "Vielleicht bieten die Hehler noch mehr an", hofft Ex-Oberkonsistorialrätin Margrit Kemp gen, die nach ausgelagertem schlesischen Kirchenbesitz forscht. Kempgen und Richthofen haben eine Vision: Sie hoffen, irgendwann alle noch vorhandenen Exponate zeigen zu können: in der einstigen Ruhmeshalle, die heute "Dom Kultury" (Kulturhaus) heißt und in Zgorzelec, dem polnischen Teil der Grenzstadt, steht.