Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 125
Eins zu Null für Düsseldorf
Von Ute Thon
Messen: "dc" schlägt "Art Cologne" in Sachen Stimmung
Es war wohl ein schlechtes Omen, dass die beeindruckendsten Sonderpräsentationen der "Art Cologne", Gary Hills Installation "Frustrum" (Fondation Cartier) und Anthony McCalls' Lichtplastik "Between you and I" (Galerie Zander) in völliger Dunkelheit stattfanden. Auf ihre Weise symbolisierten beide den traurigen Zustand der Kölner Traditionsmesse.
Bei McCall durchschneiden gleißende Leuchtspuren die Dunkelkeit und formen kegelförmige Wände aus Licht. Bei Hills Videoinstallation sieht man einen majestätischen Adler in stählernen Drähten gefangen. Auch die "Art Cologne" scheint in ihrer eigenen Geschichte, ökonomischen Zwängen und lokalpolitischen Querelen gefangen und findet trotz beherzter Befreiungsversuche nicht den Weg in eine leuchtendere Zukunft.
Dazu reicht eine Terminverlegung nicht aus. Der plötzliche Wechsel vom Herbst ins Frühjahr gab einigen abtrünnigen Teilnehmern nur einen guten Grund für ihre Absage. Im jungen Galeriesegment hat die Messe unter Gérard A. Goodrows Leitung zwar kräftig zugelegt. Da gab es vielversprechende Neuzugänge wie die Berliner Galerie Laura Mars, Artfinder aus Hamburg mit absurden Fotoporträts von Thorsten Brinkmann oder die Galerie Baer aus Dresden mit der motorisierten Wirbelwindmaschine von Sebastian Hempel. Auch in der Open-Space-Sektion, wo sich Galerien im kojenlosen Raum mit Einzelschauen vorstellten, gab es Entdeckungen zu machen.
Was fehlte, waren die Entdecker.
Und die richtige Beleuchtung.
Das Licht in den fensterlosen Messehallen 4 und 5 wirkt freudlos zweckorientiert. Auch wenn die Pressestelle die Besucherzahl vollmundig mit 60 000 angibt, bot sich an mehreren Messetagen ein Bild gespenstischer Leere. Es mangelte an wichtigen Sammlern, Museumsdirektoren und Kuratoren. Verkauft wurde meist an treue Kunden. Die besten Geschäfte machten Händler mit Klassischer Moderne. "Die Bilder hätten wir auch zu Hause verkaufen können", klagte dagegen der Leipziger Galerist Matthias Kleindienst, der Gemälde seiner jungen Zugpferde Henriette Grahnert und Tilo Baumgärtel vermitteln konnte. Was neue Sammlerkontakte angeht, sei die "Art Cologne" jedoch "total langweilig" gewesen.
Da ging es am Eröffnungsabend der neuen Düsseldorfer Messe "dc" deutlich prickelnder zu. Besucherströme schoben sich durch weitläufige Gänge. Hubertus Gaßner von der Hamburger Kunsthalle wurde gesichtet, Claudia Schiffer, Guido Westerwelle sowie Großsammler wie Mick Flick und Ella Cisneros-Fontanals aus Miami. Und dann war da noch das Licht. Die aufgelockerte Standarchitektur wurde neben Scheinwerfer- auch mit weichem Tageslicht durchflutet.
Die Galerienliste konnte sich mit frischen Namen wie The Project aus New York, Alison Jacques aus London, Mother's Tankstation aus Dublin und Jocelyn Wolff aus Paris sehen lassen. Dass sich die legendäre Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer für einen Stand auf der "dc" entschieden hatte, mit einer glänzenden Bodenarbeit des für den Turner- Preis 2005 nominierten Jim Lambie, kann man als Zeichen deuten. Auch die Verkaufsmeldungen waren ermutigend. Noch ist nicht ausgemacht, ob aus der momentanen Aufbruchstimmung ein tragendes Konzept werden könnte. Am Ende wird sich auch die schicke "dc" an ihren Umsatzzahlen messen müssen. Denn eine weitere, gut beleuchtete, aber umsatzschwache Messe braucht Deutschland so wenig wie Köln einen zweiten Dom.
