Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 8-9

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Wir waren begeistert, als Ausstellungsmacher und Tausendsassa Maurizio Cattelan uns seine Absicht mitteilte, ein "special image" für art zu machen - mehr sagte er nicht. Egal. Wir heuerten den Fotografen Jürgen Frank an, der besorgte 180 Bierflaschen, ein Hausdach in Brooklyn und schickte alsbald dieses Bild. Er schrieb: "Cattelan fasziniert die Kreuz-Symbolik mit Anklang an eine Mordserie." Nun ja - uns auch. Wer tiefer in diesen Kosmos eindringen möchte, kann das von 1. Juni bis 23. September im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main.

Der Mann hat sich so auf das riesige Fassadenfoto gelegt, dass es in dem schrägen Spiegel darüber aussieht, als säße er auf einer Fensterbank. Die Frau daneben winkt sich ungläubig zu. Mit der Installation "Bâtiment" ("Gebäude") möchte der argentinische Künstler Leandro Erlich die Welt als Illusion entlarven. Sie ist Teil der Ausstellungfuturesystems: rare momente im Lentos-Kunst museum in Linz, die noch bis zum 10. Juni zu sehen ist.

Ordnung muss sein - erst recht im Museum.

Das Walker Art Center in Minneapolis, USA, hat sich ein besonders hübsches Ablage-System ausgedacht: Die Transportkisten für Kunstwerke bekommen hausgemachte Stempel, die den betreffenden Künstler mit einem griffigen Symbol auf den Punkt bringen. Wir haben drei Kisten ausgewählt - raten Sie selbst, ob sie erkennen, um wen es sich handelt.

Auflösung: A: Andy Warhol, B: Bruce Nauman, C:Joseph Beuys

Er verbrachte sein Leben als Verkehrspolizist und ist heute ein Star des Kunstbetriebs:

Der heute 82-jährige Polizist Arnold Odermatt aus dem Schweizer Kanton Nidwalden hielt von 1950 bis in die Achtziger seinen Alltag mit der Kamera fest. Gerade erschien ein neuer Band seiner Beobachtungen im Steidl Verlag: "Im Dienst".

Das, was Sie hier sehen, ist Müll. Kein normaler Müll, sondern Celebrity-Müll. Das ganze ist eine Aktion der beiden Franzosen Bruno Mouron und Pascal Rostain. Und damit ist dieser Müll kein Müll, sondern Kunst:

Trash. Mouron und Pascal durchwühlen seit 15 Jahren tatsächlich die Tonnen äußerst berühmter Menschen wie Madonna, Jack Nicholson, Michael Jackson oder Marlon Brando und setzen daraus eine Art Psychogramm zusammen. Das ist simpel und ziemlich indiskret, denn Müll ist sehr privat, manchmal auch sehr peinlich, aber in jedem Fall höchst interessant: O.k., dass Jack Nicholson die Champagner-Korken knallen lässt, war ja zu erwarten - aber dass Fitness-Queen Madonna sich Chips und Pommes reinhaut ...

KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (2)

Schaffenskraft, die: f., [nhd.], eine dem Künstler innewohnende, geheimnisvolle, kreative Urgewalt, die sich von frühester Kindheit an unaufhaltsam ihren Weg bahnt. Die S. setzt jegliche gesellschaftliche, familiäre, politische Zwänge und Erwartungen außer Kraft mit der Wirkung, dass auch Sprösslinge kulturferner Familien den Drang verspüren, Künstler zu werden (Marc Chagalls Vater war Arbeiter in einer Fischfabrik). Früher war S. vererbbar, was an hist. Familien (?

Künstlerfamilie), wie Cranach, Holbein, Tischbein, Brueghel, nachvollziehbar ist. Ungeklärt bleibt, warum die S. heute eher einzelne trifft u. manchmal sogar spontan erlischt.

Betroffene reagieren oft mit tragischer Leugnung (? Lebenslüge).

Hinter diesen dicken Mauern ist es feucht, kalt und still. Grelles Neonlicht fällt auf dreckige Wände, Putz bröselt auf vergammeltes Linoleum. Ein langer Flur mit geöffneten Zellentüren. Was wohl dahinter geschah, als sie verschlossen waren? Die Ausstellung Gewahrsam. Räume der Überwachung des Deutschen Architektur Museums findet im Frankfurter Polizeigewahrsam statt, das von 1888 bis 2003 in Betrieb war. Mit Ritzwerkzeugen haben Trunkenbolde, Prostituierte, Kleinkriminelle und Abschiebehäftlinge Spuren hinterlassen. Tafeln erläutern die Typologien und Methoden der Überwachung seit der Romantik. Zu sehen noch bis zum 1. Juli.

EINE LISTE Einige der China-Ausstellungen 2007:

Im Zeichen des Drachen: Linden-Museum, Stuttgart, Generation Süß-Sauer - Neue Malerei aus China: Kunstverein Mannheim, Schätze der Liao (907-1125) - Chinas vergessene Nomadendynastie:

Museum für Ostasiatische Kunst, Köln, Real Thing: Zeitgenössische Kunst aus China:

Tate Liverpool, Made in China: Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk/Kopenhagen, China: Past Present and Future:

Mewo-Kunsthalle, Memmingen, Jade und Gold. Sensationsfunde aus chinesischen Herrschergräbern: Kunsthalle Leoben, China in Nordhausen - Kunst aus dem Reich der Mitte: Kunsthaus Meyenburg.

Hier ist ein kleines Making-Of zur Documenta.

Die Vorbereitungen für solche Großprojekte dauern ja immer ewig, und die Bauarbeiten in der Kasseler Karlsaue für den rund10 000 Quadratmeter (anderthalb Fufballfelder) großen Pavillon des französischen Architekten-Duos Lacaton & Vassal (Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal) laufen schon seit Jahresbeginn. Noch sieht das Ganze zwar ein wenig aus wie eine Kreuzung aus Schützenfestzelt und Gurkengewächshaus - aber es ist, wie gesagt, ja auch noch nicht fertig.

1001 Landsleute aus allen Schichten und Regionen will der chinesische Künstler Ai Weiwei für 100 Tage auf die Documenta nach Kassel verfrachten. Dort sollen sie dann einfach sein. Viele haben noch nie zuvor ihr Dorf verlassen.

Mit drei Millionen Euro, die zwei private Stiftungen tragen, ist das eines der teuersten Projekte der Documenta-Geschichte.

Ai Weiwei sagt:

"Diese Leute würden sonst nie auf die Documenta kommen."

Eine unangenehme Sache: Zwei erfolgreiche Markenlogos - der "Sarotti-Mohr" wirbt für Schokolade, der "Meinl-Mohr" für Kaffee. Nur gilt das Bild des dienstbaren Mohren heute als rassistische Ausgeburt des Kolonialzeitalters. Was tun? Beide Firmen unterzogen ihre Logos einem politisch korrekten Redesign. Für Sarotti steht heute ein ethnisch neutraler "Magier", Meinl ließ Matteo Thun den Dienerkragen entfernen, den Kopf "selbstbewusst" heben. Doch die Retusche nützt wenig: Der "Mohr" kann noch nicht gehen; das alte Bild lebt weiter.

Diese Autorücklichter sind bei Unfällen geschmolzen

Jack Nicholsons Müll offenbart: Er bekommt viel Post, trinkt viel Alkohol, liest Zeitung und benutzt Weichspüler.

Und er hat keine Bürste mehr

Madonnas Müll besteht zu 90 Prozent aus Wasser.

Dazu kommen Müsli und Milch für die Kinder und ab und zu ein Bier für den Gatten Guy

Ausgeburten lupenreiner Schaffenskraft auf Höchstniveau:

Pablo Picasso (links) und Bernhard Heiliger

Der Pavillon im Wechsel der Jahreszeiten:

Am 7.

Februar lag sogar Schnee

Oben: der alte "Sarotti-Mohr" von 1922, rechts: der heutige, goldene "Magier"

Der "Meinl-Mohr" wurde 1924 erfunden, rechts: die neue Version von Matteo Thun