Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 28

Venedig als Bühne der Weltkunst: die Höhepunkte der 52. Biennale

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Länderpavillons 28-59 Interview mit Robert Storr zur Überblicksschau 60 Service zur Biennale 63

Mittlerweile gibt es weltweit über 100 Biennalen - doch die venezianische Ur-Biennale umgibt noch immer eine besondere Aura. Auch wenn die Länderpavillons in den Giardini als Anachronismus gelten - der Nationen-Parcours bleibt spannend. art stellt eine Auswahl der interessantesten Künstler vor.

Hinzu kommt eine große Überblicksschau "Think with the Senses - Feel with the Mind" als Statement zur Gegenwart, diesmal verantwortet von dem New Yorker Kritiker und Kurator Robert Storr.

Im art-Interview erklärt er seine Sicht auf die heutige Kunst und sein Konzept der Ausstellung

PORTUGAL Die Biografie der 1958 geborenen Künstlerin Ângela Ferreira ist eng mit der portugiesischen Geschichte verknüpft. Sie wuchs als Weiße in der portugiesischen Kolonie Mozambique auf, kam 1973 nach Lissabon und erlebte dort ein Jahr später die "Nelkenrevolution", welche das Ende der Militärdiktatur einläutete. In komplexen Installationen, die Video, Fotografie und Text umfassen, macht Ferreira politische Prozesse zum Thema; meist geht es um die Geschichte der ehemaligen Kolonialmacht Portugal und ihre Verstrickungen.

BELGIEN Meist nähert sich die Kunst der Wissenschaft in ehrfürchtiger Haltung.

Der belgische Künstler Eric Duyckaerts, 53, macht da eine Ausnahme:

Akademischen Mythen und Ritualen begegnet er mit lustvoller Respektlosigkeit.

Seine Performances erinnern an Vorlesungen, so referiert er etwa darüber, dass der Mensch ursprünglich einen zweiten Daumen ge habt habe, und warum dessen Verschwinden durch die Evolution ein großer Verlust sei. Die unwirkliche Aura hochspezialisierter Wissenschaft übertreibt er ins Groteske; in Venedig werden mehrere Performances auf Video zu sehen sein.

CHINA Die Welt ist groß und unübersichtlich - eine Tatsache, die Yin Xiuzhen nicht hinnehmen wollte. Könnte es nicht auch kleine, private Versionen von Megacitys wie Shanghai oder New York geben, solche zum Mitnehmen?

Im Jahr 2001 begann die heute 44-jährige Künstlerin ihr Projekt "Tragbare Städte" ("Portable Cities"). Wenn sie in Städten wie Singapur, Sydney oder Berlin mit Ausstellungen zu Gast war, ließ sie sich von Freunden dort gebrauchte Kleidungsstücke geben; aus den Stoffen stellte sie Miniaturnachbildungen der jeweiligen Stadt her. In Venedig wird sie die so entstandenen Koffer-Städtchen komplett präsentieren.

SKANDINAVIEN Die nordischen Länder treten gemeinsam mit insgesamt sieben Künstlern in den Giardini auf. Für Finnland kommen Adel Abidin, 1973 im Irak geboren, der sich mit kultureller Entfremdung beschäftigt, und Maaria Wirkkala, geboren 1954, die mit großen Environments arbeitet. Schweden wird vertreten durch Jacob Dahlgren, geboren 1970, der aus Alltagsobjekten Skulpturen herstellt, und Sirous Namazi, geboren 1970 im Iran, der als Teenager nach Schweden kam, und dessen Installationen einen starken Einfluss der konstruktivistischen Malerei zeigen.

Norwegen schließlich schickt das Künstlerduo Toril Goksøyr/Camilla Martens, geboren 1970 und 1969 - beide sind bekannt geworden durch Performances im öffentlichen Raum, die sich um gesellschaftlich Brisantes drehen; außerdem tritt Lars Ramberg, geboren 1964, für das Land an, der mit architektonischen Objekten öffentlich interveniert.

Die Fotoarbeit "Hotel da Praia Grande (The State of Things)" (2003, 124 x 153 cm) spielt ironisch auf die "Nelkenrevolution" an

Der Wissenschaftler als Showman: Fotoarbeit von Eric Duyckaerts Performance "The dummy's lesson - where?" (2000, 103 x 110 cm)

Detail aus der Arbeit "Tragbare Städte" (2001/06):

Megacitys zum Mitnehmen

Lars Ramberg: "Freiheit 2005" (Installation in Oslo)

Filmstill aus Adel Abidins Kurzfilm "Void" (2006)

Eine Arbeit von Jacob Dahlgren, 2005 in der Kunsthalle von Malmö:

"Colour Reading and Contexture"