Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 88-91

Hoher Besuch, gut verpackt

Von Claudia Bodin

Das Metropolitan Museum of Art zeigt französische Malerei aus dem 19. Jahrhundert - rund 150 Meisterwerke von der Romantik über Realismus bis zu Impressionismus und Moderne BERLIN: DIE SCHÖNSTEN FRANZOSEN KOMMEN AUS NEW YORK

Es fühle sich so an, als ob er seine Kinder auf Reisen schicken würde, meint Gary Tinterow, zuständiger Kurator des Metropolitan Museum of Art in New York. Rund 150 Werke französischer Meister wie Paul Cézanne, Claude Monet, Camille Corot, Auguste Renoir, Edgar Degas und Camille Pissarro werden unter dem Motto "Die schönsten Franzosen kommen aus New York" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen sein. "Es ist das erste Mal in der Geschichte des Metropolitan, dass ein derart großer Teil der Sammlung das Haus verlässt", so Tinterow, "und es wird mit aller Wahrscheinlichkeit auch das letzte Mal sein." Schließlich handelt es sich um eine der wertvollsten und umfassendsten Sammlungen französischer Kunst des 19.

Jahrhunderts. Der Versand nach Europa gleicht einem logistischen Alptraum. In klimatisierte Kisten verpackt werden die Werke auf mehrere Flugzeuge verteilt, um den Schaden bei einem Unglück so gering wie möglich zu halten. Die Schau zeigt Gemälde und Skulpturen aus den Jahren um 1800 bis 1920 - eine Zeitreise durch die Kunst Frankreichs, von der Romantik über den Impressionismus bis zur frühen Moderne. Kurzfristig kann Berlin damit sogar Paris und seinem Musée d'Orsay das Wasser reichen.

Der glückliche Umstand, dass die Galerien des 19. Jahrhunderts im Metropolitan umgebaut werden, machte den Besuch der Kunstschätze in der Hauptstadt überhaupt erst möglich. "Anstatt die Werke einzulagern, wollten wir diese einmalige Situation besser nutzen", sagt Tinterow. Ziel ist es, an den großen Erfolg von "Das MoMA in Berlin" (2004) an zuknüpfen. Die Werke werden neben einem Zwischenstopp im texanischen Houston nur in Berlin zu sehen sein, bevor sie bereits einen Monat nach Ausstellungsende im Oktober wieder ihr frisch renoviertes Zuhause in New York beziehen.

Zu den Höhepunkten zählen Exponate wie Edouard Manets "Im Boot" (1874), "Die Tanzstunde" von Degas (um 1871), eines von Monets berühmten Bildern aus Gi venchy, die Brücke über den "Seerosenteich" (1899), oder Auguste Rodins Skulptur "Die Bürger von Calais" (1886). Auch Pablo Picasso und Vincent van Gogh sind mit ihren ins Zeitfenster der Ausstellung fallenden Schaffensperioden in Berlin vertreten. Einigen Künstlern werden auf Grund der Vielfalt der Arbeiten komplette Räume gewidmet.

Die spektakuläre MoMA-Ausstellung zog täglich 5500 Menschen in die Nationalgalerie nach Berlin. Für diese Schau wurde vorsorglich ein neues Einlasskonzept erarbeitet, um endlose Warteschlangen zu vermeiden.

Termin: 1. Juni bis 7. Oktober. Katalog: Nicolai Verlag 29 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro. Internet: www. neue-nationalgalerie.de, www.metinberlin.org

Edouard Manet: "Im Boot" (97 x 130 cm) aus dem Jahr 1874

Edgar Degas malte um 1890 das Bild (82 x 76 cm) "Tänzerinnen (rosa und grün)"

"Pygmalion und Galatea" (um 1890, 89 x 69 cm) von Jean-Léon Gérôme

Eines der unbestrittenen Highlights: "Der Seerosenteich" (1899, 93 x 74 cm) von Claude Monet