Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 120

Warten, schauen, schweige

Von Adrienne Braun

Wenn gut Ding tatsächlich Weile hat, müsste der Staatsgalerie Stuttgart eigentlich ein großer Coup bevorstehen. Denn Sean Rainbird, seit Ende 2006 Direktor, lässt sich Zeit. Er sagt: "ich wusste noch gar nicht ..." oder: "das ist ein Lernprozess" - und hält sich bedeckt, wo es hingehen soll. Ausstellungen, die er zunächst angekündigt hatte, wurden inzwischen wieder abgesagt oder verschoben. Statt dessen tröstet der ehemalige Kustos der Londoner Tate Gallery das Publikum mit seinem Lieblingswort "Denkpause".

Auch um die ständige Sammlung des Hauses steht es derzeit schlecht. Die Alte Staatsgalerie wird saniert, sämtliche Abteilungen mit christlicher Kunst und Alten Meistern sind bis auf weiteres geschlossen. Und Rainbirds Vorgänger, Christian von Holst, wollte dem Stirling-Bau noch seinen Stempel aufdrücken und hat vor seinem Abgang in den Ruhestand schnell umgehängt:

Die Klassische Moderne hat er durch Künstler von regionalem Rang erweitert. Die hochkarätige, internationale Gegenwartskunst ist dagegen ins Depot gewandert - wo sie bis zur großen Neupräsentation im Jahr 2009 auch bleiben soll. Hätte er nicht die Sonderschau "Nutzen und Schönheit" mit Schmuckstücken aus den grafischen Beständen eingefädelt, könnte die Stuttgarter Staatsgalerie eigentlich gleich dicht machen.

Zugegeben: Sanierung und eine wacklige Haushaltslage mögen die Arbeit erschweren, aber mit solchen Schwierigkeiten muss ein Museumsdirektor eben fertig werden. Doch statt beherztes Krisenmanagement zu betreiben, hat Sean Rainbird angekündigt, dass seine Anlaufphase drei bis vier Jahre brauchen könne. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Staatsgalerie bis dahin nicht völlig im Abseits versunken ist.