Ausgabe: 06 / 2007
Seite: 129
Gut genug fürs Museum?
Von Alfred Nemeczek
Kuratoren und Museumsleiter verraten ihre Qualitätsmaßstäbe für gute Gegenwartskunst BUCH DES MONATS
Ein Narr", sagt der Volksmund, "fragt mehr, als zehn Weise beantworten können." Der Mann, der hier den Narren gibt, heißt Wolfram Völcker, ist Galerist in Berlin und behelligt gleich 13 Experten beiderlei Geschlechts mit der laienhaften Qualitätsfrage "Was ist gute Kunst?" Dass es darauf keine objektive Antwort gibt, weil der Qualitätsbegriff ja nicht von den Kunstwerken Besitz ergreift, sondern allein von den jeweiligen Betrachtern, war dem promovierten Volkswirt dabei bewusst.
Und äußerst willkommen für sein ergiebiges Buchkonzept.
Es nötigt Museumsleute der Sparten Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Videokunst, Fotografie und Skulptur zu einer ganz subjektiven Qualitätskontrolle ihrer Arbeit - also zur Preisgabe der Maßstäbe und Vorlieben, Zufälle und Begrenzungen, auf denen das Bewahren, Erforschen und Vermehren der öffentlichen Sammlungen fußt, die ihnen anvertraut sind. Auch wenn sich dabei das Grundsatzthema "gute Gegenwartskunst" zur Frage relativiert, was gut genug ist fürs Museum: In den oft brillanten und intensiven Interview- und Essaytexten von Autoren wie Gudrun Inboden, Wulf Herzogen rath, Alexander Dückers, Christoph Heinrich, Michael Semff oder Jeremy Lewison finden sich neben etlichen Verweisen auf starke und schwächere Künstler auch Kriterien. So sollte etwa ein Sammler unbedingt informiert sein und neugierig genug, um vor jedem Ankauf nach Unverwechselbarkeit, Innovation, Konsequenz und Authentizität zu fragen. Doch weiterhin gilt: "Die Begegnung mit einem Kunstwerk ist stets zufällig und unerwartet, sie ist immer ein - nicht planbares - Ereignis" (Gudrun Inboden).
