Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 79
Bilder für ein Massenpublikum
Von Sandra Danicke
Das Museum für Angewandte Kunst stellt den deutschen Plakatdesigner vor FRANKFURT/MAIN: GUNTER RAMBOW
Er habe mit seinen Plakaten Bilder geschaffen, deren Anspruch keine Inszenierung einlösen konnte, soll der Dramatiker Heiner Müller einmal über den Grafiker und Fotografen Gunter Rambow gesagt haben. Müller dachte dabei nicht zuletzt an sein Theaterstück "Die Hamletmaschine", für dessen Aufführung am Schauspiel Frankfurt Rambow ein genialer Kunstgriff eingefallen war: Der Hamlet-Darsteller hängt als Plakat an einer Ziegelmauer und reißt gleichzeitig sein eigenes Gesicht von der Wand.
Es war nicht das einzige Mal, dass Gunter Rambow diesen Trick anwendete. In zahlreichen Plakaten für den S. Fischer Verlag ragt etwa eine Hand aus einem Buchcover, die gleichzeitig das Buch spazieren trägt oder signiert.
Ausgebildet wurde Rambow, der 1938 in Neustrelitz geboren wurde und heute eine Plakatgalerie in Güstrow leitet, zunächst als Glasmaler in Hadamar, doch sein anschließendes Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel und sein Lehrer Hans Hillmann prägten seine Vorliebe für die Gestaltung von Bildern für ein Massenpublikum. Es sind ebenso simple wie markante Ideen, mit denen Rambows Grafiken und Fotomontagen verblüffen. Für die Partei "Die Grünen" warb er mit einer runzligen Kartoffel in Herzform, für das Hessische Staatstheater setzte er die weißen Buchstaben "Carmen" als Zähne zwischen blutrote Lippen.
Die Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst würdigt das vielfältige OEuvre des Mannes, der wie kaum ein anderer die Kulturwerbung prägte und bis 2003 Professor an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe war. Gezeigt werden Plakatserien und Fotobücher seit 1962 bis heute, darunter Arbeiten für das Schauspiel Frankfurt und das Hessische Staatstheater in Wiesbaden, deren optisches Auftreten Rambow in den siebziger und achtziger Jahren verantwort hat.
Termin: bis 3. Juni. Katalog: Edition Axel Menges, 12,80 Euro. Internet: www. museumfuerangewandtekunst.frankfurt.de
