Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 81

Fotograf mit kompromisslosem Spürsinn

Von Heiko Klaas

Eine Ausstellung des deutschen Fotografen, der an der Muthesius-Schule lehrte KIEL: STILLE - DIRK REINARTZ UND SEINE SCHÜLER

Dirk Reinartz war ein Ausnahmefotograf. Der besonnene Dokumentarist vermied spektakuläre oder kühn inszenierte Aufnahmen. Doch er fand immer einen Dreh, um seinen Motiven etwas Neues, einen überraschenden Aspekt oder eine ironische Note abzugewinnen.

Das schätzten seine Auftraggeber in den Redaktionen von "Stern" und "Spiegel", "Zeit-Magazin" und auch art.

Allein für dieses Magazin hat er rund 400 Künstler porträtiert. "Er war ein Mann der ersten Stunde. Seine Bilder haben dieses Magazin geprägt", schrieb Chefredakteur Axel Hecht in seinem Nachruf in art, als Reinartz mit nur 56 Jahren im März 2004 plötzlich gestorben war.

Er hinterließ auch an der Kieler Muthesius- Kunsthochschule eine große Lücke.

Reinartz hatte dort sechs Jahre zuvor einen Lehrauftrag übernommen. Hier hatte er begonnen, sein methodisches Wissen und seinen kompromisslosen fotografischen Spürsinn einer jüngeren Fotografengeneration zu vermitteln. Natürlich ganz auf seine Art. Die klassische Lehrerrolle lag ihm fern. "Mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen, finde ich furchtbar", hat er einmal gesagt. Bereits zu Lebzeiten hatte Reinartz geplant, einmal gemeinsam mit seinen Schülern auszustellen.

Die Ausstellung "Stille - Dirk Reinartz und seine Schüler", zusammengestellt von Christiane Gehner, Vorstandsvorsitzende des Kunstvereins in Glückstadt, wo die Ausstellung zuvor gezeigt wurde, und Matthias Harder, dem Kurator der Berliner Helmut-Newton-Stiftung, wagt jetzt rund drei Jahre nach Reinartz' Tod den Versuch einer Gegenüberstellung.

Dirk Reinartz hatte nach einer klassischen Fotografenlehre in seiner Geburtsstadt Aachen bei Otto Steinert an der Essener Folkwangschule ein Studium der Fotografie begonnen. Abgeschlossen hat er es nicht. Doch Otto Steinerts Methode, seinen Studenten immer wieder knifflige thematische Aufgaben zu stellen, ist auch Reinartz treu geblieben.

In Kiel werden jetzt seine New-York- Aufnahmen aus den siebziger Jahren den Aufnahmen seiner ehemaligen Studenten gegenübergestellt. Die Aufnahmen seiner zwölf Studenten, so unterschiedlich ihr Themenspektrum auch sein mag, sind seiner Methode der intensiven, aber dabei immer unaufgeregten fotografischen Spurensuche treu geblieben.

Da sieht sich Markus Steffen auf Schönheitswettbewerben für Tiere um.

Martin Lebioda zeigt sensibel fotografierte Straßenszenen der indischen Metropole Mumbai. Susanne Ludwig fotografiert, was von insolventen Firmen übrig bleibt. Und Holger Stöhrmann zeigt unwirtliche Orte, an denen sich Menschen zum anonymen Sex verabreden. Bonjour Tristesse, möchte man da sagen und sieht doch gleichzeitig ein, dass diese stillen Bilder viel mehr über unsere Welt aussagen als jeder Prospekt eines Fremdenverkehrsbüros.

Termine: 5. Mai bis 3. Juni. Weitere Stationen:

VHS-Photogalerie, Stuttgart, 28. Juni bis 3. August; Städtische Galerie Wolfsburg, 30. September bis 6. Januar. Katalog: Steidl Verlag, 25 Euro.

Internet: www.kunsthalle-kiel.de