Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 80

Rein privat und unabhängig

Von Petra Bosetti

Die Bundeskunsthalle präsentiert Schätze aus der Moskauer Tretjakow-Galerie BONN: RUSSLANDS SEELE

Pawel Michailowitsch Tretjakow (1832 bis 1898), Moskauer Kaufmann und Industrieller, kaufte im Jahr 1856 für 450 Rubel sein erstes Bild. Vier Jahre später legte er schriftlich seinen Plan nieder, eine der Öffentlichkeit zugängliche Kunstgalerie zu gründen. "Ich möchte nach meinem Tode eine Nationalgalerie hinterlassen", schrieb er und wollte "eine Gemeinschaft von Kunstfreunden" bilden, "rein privat und von der Regierung unabhängig".

Die Sammlung war ursprünglich in Tretjakows Wohnhaus untergebracht, Mitte der siebziger Jahre ließ er ein eigenes Gebäude errichten, das wegen der kontinuierlich größer werdenden Sammlung insgesamt fünfmal umgebaut und erweitert wurde. 1892 schenkte er das Museum mit über 2000 Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen, ausschließlich von russischen Künstlern, der Stadt Moskau.

Das Museum wurde nach Tretjakows Tod von einem Kuratorium geleitet, das die Sammeltätigkeit in seinem Sinne fortsetzte.

Das nach ihm benannte staatliche Museum ist heute im Besitz von rund 130 000 Werken aus der Zeit vom 11. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Jährlich besuchen durchschnittlich 1,7 Millionen das Haus, das im ältesten Distrikt Moskaus, Samoskworetschje, in der Nähe des Kremls liegt. Diese exquisite Sammlung russischer Kunst ist jetzt zu Gast in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. 170 Ikonen, Gemälde und Zeichnungen wurden ausgewählt, die, so die Veranstalter, "die Entwicklung einer national geprägten russischen Kunst im Spannungsfeld zwischen der gesamteuropäischen und der eigenen kulturellen Tradition nachzeichnen".

Das Spektrum reicht von klassischen Ikonen - die älteste aus dem 13.

Jahrhundert - über Zeugnisse der höfischen Kultur des späten 18. Jahrhunderts; das Schwergewicht bildet die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Tretjakows Favoriten waren vor allem die jungen Realisten wie Ilja Repin oder Iwan Kramskoi, dessen Gemälde "Die Unbekannte" auch das Cover des Katalogs ziert.

Termin: 17. Mai bis 26. August.

Katalog: Hirmer Verlag, 28 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro. Internet: www.kah-bonn.de/ und www.tretyakovgallery.ru/