Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 83

Lockere Geschichten aus dem Alltag

Von Clemens Bomsdorf

Das Moderna Museet richtet der schwedischen Malerin eine Werkschau aus STOCKHOLM: KARIN MAMMA ANDERSSON

Als die Kunststudentin Karin Andersson Ende der achtziger Jahre ihr erstes Kind bekam, legte sie sich "Mamma" als Beinamen zu (art 3/2004). Mit dieser Lockerheit bindet sie seither ihr Alltagsleben in ihre Kunst ein, wie die Retrospektive im Stockholmer Moderna Museet verdeutlicht. Ihr Bild "The best storyteller II" (2005) etwa zeigt zwei gestapelte TV-Geräte auf einem Fernsehtisch.

Malerei hin oder her, kaum jemand vermag Kinder so gut zu unterhalten wie das Fernsehprogramm. "Man soll Biografisches nicht überinterpretieren, aber bei Mamma Andersson spielt es eine besondere Rolle", sagt Ann-SofiNoring, Kuratorin der Ausstellung.

Gezeigt werden vor allem Werke von der Jahrtausendwende bis heute, aber auch einige Bilder aus den neunziger Jahren. Es ist die erste Einzelschau in einem schwedischen Museum von Mamma Andersson, die spätestens seit ihrem Auftritt auf der Venedig-Biennale 2003 zu den großen zeitgenössischen schwedischen Künstlern gezählt wird. Dabei ist ihr OEuvre sehr klassisch. Nicht nur, dass sie die Malerei als Medium benutzt, zu Anderssons absoluten Lieblingsmotiven zählt auch noch die Landschaft. Mit diesem Motiv habe sie sich schon als Kind beschäftigt, als sie durch die Zeichenkreide ihre erste Sprache gelernt habe, so die Künstlerin in einem Gespräch mit dem schwedischen Dramatiker Lars Norén, das im Katalog abgedruckt ist.

Genau wie Kinder malt Andersson auch als 45-Jährige noch vor allem die Welt in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Doch in ihrer Malerei gibt sie sich nicht dem Realismus der Alltagswelt hin, sondern deutet mit Details an, dass nicht alles ist wie es scheint. Dabei greift sie nie zu so drastischen Bildern wie ihr Ehemann, der Zeichner Jockum Nordström, dessen Arbeiten vor sexuellen Exzessen nur so strotzen.

Termin: 5. Mai bis 5. August 2007. Katalog: in Englisch, Steidl Verlag, 380 schwedische Kronen, im Buchhandel 65 Euro. Internet: www.modernamuseet.se