Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 82

Gegen die Skulptur für die Skulptur

Von Katherina Koester

Das Museum Ludwig zeigt die Raumkonzepte von Manfred Pernice KÖLN: MANFRED PERNICE

Manfred Pernice macht es spannend: Nachdem er seine ersten Ausstellungsideen verworfen hatte, wartete das Museum Ludwig ungeduldig auf den neuen Raumentwurf des 1963 in Hildesheim geborenen Künstlers.

Auch von seinem zweiten Plan, einen abgedunkelten Raum zu bauen, der über eine Treppe erreichbar ist, trennte er sich wieder. Statt dessen will er seine Arbeit "Haldensleben" von 2005 für die Schau weiterentwickeln.

Damit würde Pernice Hauptthemen seiner bisherigen Arbeiten wieder aufgreifen, nämlich das Verhältnis von Architektur und Skulptur, von innen und außen sowie die Ästhetik von modernen, normierten Behausungen, Transportmitteln und Verpackungen. Ob Hochhaus oder Container, U-Bahn oder Dose, Pernice kommentiert sie alle - mit verzerrten Nachbauten aus einfachen Materialien wie Pappe oder Sperrholz. Die kargen Objekte dienen zugleich wieder selbst als Ausstellungsräume, -vitrinen oder -wände für Fotografien, Texte oder Werbung. Durch anomale Größenverhältnisse und ungewohnte Gegenüberstellungen entstehen dabei befremdliche Raumsituationen.

"Eine zentrale Arbeit der Ausstellung wird die frühe wichtige Installation ,Bibette headland' sein", sagt Kuratorin Barbara Engelbach. Die monumentale Bunker-Architektur hatte Pernice 1999 bereits im Kunstmuseum Wolfsburg auf gebaut.

Im Museum Ludwig werde sie jetzt so stehen, dass die Besucher sie auch von oben sehen können. Dabei werde die primitive Bauweise der Rückseite sichtbar.

Der Titel der Arbeit bezieht sich auf die Bunker des deutschen Stützpunkts "Biberkopf" auf der Kanalinsel Alderney, die während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurden.

Manfred Pernice wählt am liebsten Namen, die beim Betrachter eine Assoziationskette auslösen. "Haldensleben", die andere große Installation, ist ein Beispiel hierfür. Es weiß sicherlich nicht jeder, dass es sich dabei um eine Kleinstadt nahe Magdeburg handelt, in der das Keramikhandwerk traditionell eine große Rolle spielt. Der Künstler erzählt ihre Geschichte mit Fotos und Fundstücken wie Vasen, Schalen und Figurinen aus den Neuen Keramischen Werken. Egal, welches Medium Pernice wählt, immer hinterfragt er die Bildhauerei. Mit seinen Installationen und Skulpturen arbeitet er, so Engelbach, "gegen die Skulptur für die Skulptur".

Termin: 21. April bis 19. August.

Internet: www.museenkoeln.de/museum-ludwig/