Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 118

Ziemlich große Familie

Von Hans Pietsch

Auktion I: Chinesische Gegenwartskunst überflutet den Markt

Der Handel mit zeitgenössischer Kunst aus China boomt. Bei den jüngsten Auktionen erzielten Künstler wie Zhang Xiaogang, Yue Minjun und Wang Guangyi Höchstpreise. Phillips de Pury versteigerte im Februar in London gar eine ganze Sammlung mit rund 40 Werken, vermutlich aus dem Besitz der Witwe des italienischen Sammlers Prinz Francesco Borghese. Bei Sotheby's zahlte ein anonymer Te lefonbieter für Zhangs "Bloodline Series: Big Family" 620 000 Pfund (941 000 Euro). Dieses stolze Ergebnis wur de im März mit dem Verkauf ei nes weiteren Bildes aus der "Bloodline"-Serie zum Preis von 2,1 Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro) in New York fast verdoppelt. Bei diesem "Asia Sale" hatte Sotheby's 310 Werke asiatischer Gegenwartskunst im Angebot.

Auch bei den Mai-Auktionen in New York wird wieder viel chinesische Kunst angeboten. Allein in Christie's Katalogen zählt man die Werke von zehn zeitgenössischen chinesischen Künstlern.

Einer der eifrigsten Käufer ist der Londoner Supersammler Charles Saatchi. Er hatte schon immer einen Riecher für Trends.

Seine Website listet mehr als 20 Chinesen auf, von denen er Werke besitzt. Im Sommer wird er sein neues Privatmuseum im Londoner Stadtteil Chelsea mit chinesischer Kunst eröffnen.

Angesichts des explodierenden Handels mit Kunst aus China warnen Experten bereits vor Überhitzung und möglichem Preisverfall.

Hauptgrund für die Sorge ist, dass sich der Primärmarkt bisher nicht hat durchsetzen können.

Auktionshäuser dominieren den Markt, Galerien spielen noch immer eine untergeordnete Rolle.

Bei Versteigerungen von Auktionshäusern in China ist es sogar üblich, dass Künstler selbst Werke direkt aus dem Atelier einliefern, eine Praxis, die im Westen zumindest offiziell verpönt ist.