Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 119

Bloß keine Anzüglichkeiten

Von Christian Schaernack

Messen: Die "Gulf Art Fair" testet den arabischen Kunstmarkt

Auftakt zur ersten "Gulf Art Fair" in Dubai - der Mutter aller Baustellen: Nicht viele sind gekommen aus New York, London, den Kunsthochburgen des Westens. Doch wer hier ist, beginnt umzudenken. Wolkenkratzer schießen wie Pfifferlinge aus der Wüste. Ist Dubai das Manhattan von morgen?

"Ein bedeutender Teil der Weltwirtschaft verschiebt sich derzeit gen Osten", hat Messe-Chef John Martin erkannt, "und damit eben auch der Kunstmarkt." Hans Ulrich Obrist, Ausstellungsleiter an der Londoner Serpentine Gallery und angereist zum begleitenden Symposium "Global Art Forum", philosophiert geopolitisch: "Das sind Verschiebungen tektonischen Ausmaßes. Und Dubai liegt mittendrin." 40 Galerien waren Anfang März an den Golf gekommen und spielten Pionier im neuen Goldrausch, darunter auch große Namen wie Krinzinger aus Wien und White Cube aus London.

Niemand schien dabei so recht zu wissen, wie die Orientalen auf Andy Warhol, Roy Lichtenstein & Co. reagieren würden.

Nur anzüglich durfte es nicht sein - und schon gar nicht pornografisch.

"Wir im Westen haben schlichtweg nicht die leiseste Ahnung von der Sammlermentalität hier", weiß Michaela Neumeister, die für das Auktionshaus Phillips auf Späh-Tour war.

So ging es sicherheitshalber bunt und harmlos zu. Schmetterlinge von Damien Hirst, so schien der gängige Konsens, könnten den Scheichs schmeicheln, vielleicht auch Alex Katz.

Dabei haben die Herrscher längst erkannt, wie nützlich Kunst im großen Schach um Macht, Geld und Prestige ist. Schon im nächsten Jahr soll die Messe doppelt so groß werden. "Wir sind in den letzten Jahren ein gutes Stück weit gekommen", erläutert Omar Bin Sulaiman vom "Dubai International Financial Centre" (DIFC), Teilhaber an der "Gulf Art Fair", den Masterplan. "Jetzt geht es um Bildung, Kunst und Wissen." Während sich das Nachbar- Emirat Abu Dhabi als künftiges Kulturmekka des Mittleren Ostens sieht - vier gigantische Museumsneubauten sind hier in Planung, darunter ein neues Guggenheim und eine Dependance des Louvre -, soll Dubai zur globalen Plattform für den Kunstmarkt werden.

Wie weit es bis dahin noch ist, zeigte derweil der Messealltag. Rote Punkte sah man selten. "Man weiß hier noch sehr wenig über Kunst aus dem Westen - wie auch?

Es gibt kaum Museen oder Hochschulen, nur halbfertige Hochhäuser, und die meisten Einwohner leben seit maximal fünf Jahren hier", analysiert Alexis Johnson von der Galerie 1301PE aus Los Angeles leicht entnervt.