Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 118
Deal mit Reh
Von Claudia Bodin
New York: Christie's kauft Galerie "Haunch of Venison"
Das sorgt für Unruhe in der Kunstwelt: Christie's kauft die Londoner Galerie "Haunch of Venison". Die hippe Kunsthandlung mit dem kulinarischen Namen (zu deutsch: "Rehkeule") mit Filialen in Zürich und Berlin repräsentiert bedeutende lebende Künstler wie Bill Viola, Keith Tyson und Richard Long.
Wie viel der Eigentümer des Auk tionshauses, François Pinault, für die Galerie zahlte, wurde nicht veröffentlicht. Tatsache ist, dass es sich um ein Geschäft zwischen alten Bekannten handelt. Galerie- Gründer Graham Southern leitete früher Christie's Abteilung für zeitgenössische Kunst in London.
Sein Partner Harry Blain gilt als exzellenter Verkäufer, der Deals für Pinault einfädelte. 2006 nahm das Auktionshaus rund 200 Millionen Euro mit privaten Vermittlungen ein. "Haunch of Venison" setzte im vergangenen Jahr rund 73 Millionen Euro mit Kunstverkäufen um. "Zusätzliche finanzielle Mittel werden uns helfen, unsere Künstler auf lange Sicht unterstützen zu können", sagt Harry Blain. Obwohl die Galerie nun zu hundert Prozent zu Christie's gehört, versicherte er, dass sie auch in Zukunft unabhängig arbeiten wird. Das Europa- Geschäft soll in der Hand von Blain und Southern bleiben. Aber Christie's plant auch eine zusätzliche Dependance in New York.
Damit es nicht zu Interessenskonflikten kommt, darf "Haunch of Venison" nicht auf Auktionen von Christie's bieten.
Beteuerungen, auf die Fachkreise mit Skepsis reagieren. Mit Christie's Übernahme verwischt die Grenze zwischen Galerie- und Auktionsgeschäft. Trotz einzelner Vorstöße der Auktionshäuser werde "der Primärmarkt nach wie vor nahezu exklusiv von großen und kleinen Privatgalerien geführt", stellt der New Yorker Galerist David Zwirner klar.
Schon Sotheby's nahm vor Jahren mit dem Kauf der André- Emmerich-Galerie und der Kooperation mit Jeffrey Deitch einen ersten Anlauf. Ohne Erfolg.
Die Verantwortung einer Galerie liege nicht allein darin, Kunst zu vermarkten, so Zwirner. Es gehe vielmehr darum, die Karriere eines Künstlers über Jahre hinweg zu pflegen. "Den Künstler, der stolz verkündet, von einem Auktionshaus vertreten zu werden, muss ich erst noch treffen."
