Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 120

Cézanne im Schließfach

Von Claudia Bodin

Hehlerei: Betrügerischer US-Anwalt in Boston festgenommen

Ein langer Kunst-Krimi fand jetzt sein vorläufiges Ende: Auf dem Bostoner Flughafen wurde ein 72-jähriger Ex-Anwalt aus Massachusetts festgenommen, der versucht hatte, gestohlene Kunstwerke, darunter das Stillleben "Krug und Früchte" (1888/90) von Paul Cézanne, zu verkaufen.

Der Fall begann 1978: Damals kehrte der Sammler Michael Bakwin nach einem Kurzurlaub in sein Haus in Stockbrigde, Massachusetts, zurück und entdeckte, dass sieben Werke von französischen Impressionisten und Expressionisten verschwunden waren.

Der Dieb wurde kurze Zeit später bei einem Streit um Spielschulden ermordet. Zuvor aber hatte er seine Beute bei seinem Anwalt Robert Mardirosian deponiert.

Der wollte nun Geld aus der Sache schlagen: Er versuchte, die Gemälde, die er zuvor in einem Schweizer Banksafe eingelagert hatte, über seine Deckfirma in Panama bei Sotheby's in London zu verkaufen. Doch als er dazu 1999 über Mittelsmänner eine Versicherung für die Bilder bei Lloyds abschließen wollte, kam heraus, dass sie auf dem Art Loss Register (ALR) standen. Der gewiefte Mardirosian handelte mit dem FBI und dem ALR einen delikaten Deal aus: Michael Bakwin bekam sein Cézanne-Stillleben zurück, und im Gegenzug verblieben die restlichen sechs Bil der im Besitz der Deckfirma.

Mardirosian selbst blieb anonym und wurde von den Behörden in Ruhe gelassen.

Doch als er 2004 erneut versuchte, vier Bilder aus dem Bakwin- Besitz - zwei Porträts von Chaim Soutine sowie Werke von Maurice de Vlaminck und Maurice Utrillo - zu versteigern, erklärte ein US-Richter den Handel für ungültig. Mardirosians Identität wurde aufgedeckt.

Nun soll er sich vor Gericht verantworten, die restlichen Kunstwerke an den Eigentümer zurückgeben und bereits entstandene Er mittlungs- und Anwaltkosten in Höhe von drei Millionen Dollar (rund 2,3 Millionen Euro) zahlen.

Außerdem droht dem ehemaligen Anwalt eine Haftstrafe von zehn Jahren.