Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 109
Spielt die Musik am falschen Ort?
Von Manfred Schwarz
Verluste: Haushaltsausschuss rügt Bundeskunsthalle in Bonn
Zufrieden könnten die Verantwortlichen der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn eigentlich auf ihre Arbeit blicken. Seit der Eröffnung 1992 hat sich das Institut, das als GmbH des Bundesbetrieben wird, zum Publikumsmagneten entwickelt. Zuletzt noch zog das Gastspiel des New Yorker Guggenheim Museum mehr als 800 000 Besucher an. Recht üppig bestallt mit einem jährlichen Budget von rund 17 Millionen Euro, avancierte die Kunsthalle längst zum dominierenden, wegen seiner finanziellen Potenz freilich auch neidisch betrachteten Hauptakteur im westdeutschen Museums reigen.
Wie ein Paukenschlag hallen nun die Vorwürfe durchs rheinische Idyll, die vom Haushaltsausschuss des Bundestages ungewöhnlich laut erhoben werden:
Die Bundeskunsthalle habe zwischen den Jahren 2002 und 2005 - vermutlich als Folge von unseriös kalkulierten Konzertveranstaltungen - Verluste von rund fünf Millionen Euro eingefahren.
Die sommerlichen Open-Air-Konzerte, die von der Bundeskunsthalle als kulturelle Attraktionen wie als Werbemaßnahmen veranstaltet werden, sollen "faktisch" mit Steuergeldern "subventioniert" worden sein, bemängelt der Haushaltsausschuss. Weil Konzerte aber nicht zu den Aufgaben der Institution gehören würden, handele es sich nicht nur um Geldverschwendung, sondern auch um ein gleichsam nichtautorisiertes Geschäfts gebaren.
Bevor Ende Mai der Haushaltsausschuss zur erneuten Prüfung zusammenkommt, äußert sich die Kunsthalle nicht zu den Vorwürfen.
Allerdings genügt bereits ein Blick in die Satzung, um die Ausrichtung von Musikaufführungen unter den dort ausdrücklich genannten Aufgabenbereichen zu finden. Und es genügt ein Blick das Rheintal hinab, um die benachbarte "Kölnarena" ausfindig zu machen, deren Konzertbetrieb längst nicht so gut floriert wie gewünscht, nicht zuletzt wegen der Bonner Konkurrenz. Vielleicht spielt die Musik hier einfach nur am falschen Ort.
