Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 108-109
Öffentliche Galerie an privat zu vermieten
Von Susanne Altmann
Finanzprobleme: Sammler, Händler und Firmen sollen die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst bespielen
Es ist eine radikale Entscheidung, die Barbara Steiner, Chefin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig, da verkündete: Für die Geschäftsjahre 2008/09 werde der Ausstellungsbetrieb des Hauses in Fremdregie übergeben! Tatsächlich soll eine Handvoll privater Sammler, Unternehmen und Galerien das Institut mit eigenen Ausstellungen bespielen dürfen - und zwar gegen Entgelt.
Kaum war dies ausgesprochen, entrüstete sich der lokale Künstlerverband über den Ausverkauf, Künstler wiederum wollen die Räume anmieten, sogar eine Designmesse meldete Interesse an.
"Unser Vorhaben ist die reinste Projektionsfläche", bemerkt Direktorin Steiner zu den unterschiedlichen Reaktionen, die die Ankündigung ihrer Absichten her vor gerufen hat: "Jeder interpretiert es entlang seiner eigenen Wunsch- und Horrorvorstellung." Dabei passt der offensive Schritt zunächst einmal zur Entstehungsgeschichte sowie zu dem aktuellen Betrieb der Galerie: Als Public-Private-Partnership wurde sie 1998 mit Geldern des Bundes der Deutschen Industrie (BDI) und des Industriellen Arend Oetker gegründet. 2006 erhielt sie den zentralen Bestand der Kunstsammlung des BDI als Schenkung und könnte ohne Oetkers jährliche Beihilfe von 174000 Euro - immerhin ein Drittel des Gesamtbudgets - überhaupt nicht existieren.
Nun wird das Modell des privaten Engagements programmatisch zum Äußersten getrieben:
Bislang haben sich die Leipziger Galeristen Gerd Harry Lybke (Eigen + Art) und Jochen Hempel (Dogenhaus), das mittelständische IT-Unternehmen Alpha 2000 sowie die Sammlerpaare Brigitte und Arend Oetker aus Berlin sowie Klaus und Doris Schmidt aus Dresden angemeldet. "Die Angelegenheit kostet uns zwar Geld", so lassen die beiden letztgenannten wissen, "wir verstehen unsere Teilnahme aber als bürgerschaftliches Engagement." Und Direktorin Steiner verspricht, dass der Bezug zu Leipzig und hohe Qualität des Kunstverstands bei der Auswahl entscheidend sei en.
Mit weiteren Unternehmen und Banken laufen derzeit noch Verhandlungen. Jeder Interessent erhält eine inhaltliche "carte blanche", zahlt jedoch alle anfallenden Kosten für Ausstellungsproduktion, Heizung, Strom, Versicherung, Aufsichten, Vermittlung und Kuratoren. Mit diesen Einnahmen sollen etliche Haushaltslöcher gestopft werden - schließlich hat sich der Etat seit 1998 nicht erhöht; die Betriebskosten freilich explodierten. Besonders pikant ist dabei, dass die GfZK erst 2004 für 2,5 Millionen Euro ein zusätzliches Ausstellungsgebäude errichtet hatte, für das nun die Gelder nicht reichen.
Damit die Galerie ihren Ruf als theoriefreundliche Einrichtung nicht verliert, wird die temporäre "Mietsache GfZK 2008/ 2009" zum Forschungsprojekt erklärt:
Chefin Steiner will sich für ein Jahr zumindest von der Geschäftsführung beurlauben lassen und an der Leipziger Universität über den privatwirtschaftlichen Einsatz in der Gegenwartskultur referieren.
