Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 108

Atempause

Von Susanne Altmann

KOMMENTAR

Es wirkt wie eine Flucht nach vorn oder gar ein Hilferuf: Direktorin Barbara Steiner vermietet ihre Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig für zwei Jahre an privat. Seit Jahren funktioniert das anerkannte Haus ohne festen Ausstellungsetat.

Das Projektbudget kommt ausnahmslos aus diversen Fördertöpfen wie Bundeskulturstiftung oder Europäischer Union. Dort ist die Konkurrenz groß. Also werden unablässig soziale und politische Themen wie postkommunistischer Osten oder das Erbe der Moderne kunstvoll zu Anträgen verarbeitet. So entstehen nahezu akademische Langzeitstudien mit hohen Vermittlungsaufwand.

Deren künstlerischer Unterhaltungswert bleibt freilich manchmal auf der Strecke.

Diese Symptomatik betrifft nicht allein die Leipziger Galerie:

Viele deutsche Häuser für Gegenwartskunst profilieren sich in darstellender Soziologie und in der Kunst der Antragstellung.

Doch wie lange kann eine chronisch unterbesetzte Institution nach diesem Modell arbeiten?

Fällige Zahlungen von Fördergeldern werden gern bis lange nach Projektende einbehalten und verursachen wie im Leipziger Fall ernste Liquiditätskrisen. Der Kollaps scheint programmiert, eine à la Leipzig folgerichtig.

Der temporäre Ausstieg aus dem öffentlichen Bewerbungsmarathon illustriert aber mehr:

Allerorten passen sich Museen ohne Ausstellungs- oder Ankaufsetats zunehmend den Interessen nichtöffentlicher Geldgeber, betuchter Sammler an. Eine sachliche öffentliche Bewertung dieser Verstrickungen findet kaum statt. Sie wäre aber nötig - nicht nur um kulturelle Schattenwirtschaft zu kritisieren, sondern auch um privates Engagement offen zu stärken und - wenn nötig - zu kontrollieren. Der Leipziger Sonderweg leistet hier Pionierarbeit.

In diesem Sinne könnte er Schule machen.